Umwelt, Gesellschaft

Ressourcenmangel und Überbevölkerung: Wohlstand für alle durch Geburtenbeschränkung?

Ein von den heutigen Hoffnungslosen häufig angeführtes Argument lautet, dass die Erde nicht genügend Ressourcen für die aktuelle Weltbevölkerung besitze. Sie sehen in der Populationsgröße das Hauptproblem des Planeten und schließen daraus, dass nur Länder, die ihre Geburtenraten beschränken, eine Chance auf Wohlstand und Bildung hätten. Für mich ist dieses Argument nichts als Opium für das Volk, um es betäubt zu halten und jeglichen zivilen Widerstand gegen die unmoralische Wirtschaft zu lähmen. Diese unfaire Wirtschaft mit all ihren Folgen spiegelt die Unterdrückung durch einen Haufen von elitären nimmersatten Superreichen gegen den Rest der Menschheit dar. Anstatt etwas dagegen zu unternehmen, sitzt man im gemütlichen Elysium und schiebt die Schuld auf die abgewirtschafteten und überbevölkerten armen Länder – die ohnehin allein ihre Misere zu verantworten hätten.

Hohe Geburtenraten als Ursache des Übels

Doch betrachten wir das Problem der Überbevölkerung und des Ressourcenmangels genauer: Zugegeben ist die Geburtenkontrolle ein wichtiges Instrument, um eine vernünftige Erziehung und Ausbildung der Kinder zu ermöglichen. Doch ist es wirklich das einzige Problem ärmerer Länder? Wir sehen aktuell, wie in wohlhabenden Ländern eher darüber geklagt wird, dass es wenig Geburten gibt und wie die Wirtschaft Fachkräfte aus dem Ausland importieren will. Altersarmut ist neben dem ungerechten Rentensystem auch damit begründbar, dass immer weniger junge Menschen in die Rentenkassen einzahlen, während immer mehr ältere daraus ihren Lebensunterhalt beziehen.

Außerdem, wenn dieses Argument wirklich stimmt, dann sollten sich die hohen Geburtsraten ärmerer Länder in ihren gesamten Ressourcenverbrauchswerten widerspiegeln. Analysiert man die wissenschaftlichen öffentlich verfügbaren Daten, dann stellt man genau das Gegenteil fest: Reiche Länder mit niedrigen Geburtenraten haben die höchsten Verbrauchsdaten. Die 2018 veröffentlichte Studie der Forschungsorganisation Global Foot Print [1] zeigt, dass wenn alle Länder soviel Ressourcen konsumieren würden wie die amerikanische Bevölkerung, dann wären die jährlich verfügbaren regenerativen Ressourcen der gesamten Erde schon Mitte März verbraucht! Nicht viel besser sieht es für Deutschland, Frankreich, England und Japan aus, welche anteilig die maximalen Jahresverbrauchswerte schon im Mai ausschöpfen. Für Ägypten (erst im Oktober) und den Kongo (erst im Juni des folgenden Jahres), die beiden ärmeren afrikanischen Länder mit hohen Geburtenraten, sieht es viel besser aus. Anders ausgedrückt: Wenn alle Länder soviel verbrauchen würden wie der Kongo, dann hätten wir nur 2/3 der jährlich verfügbaren Ressourcen verbraucht. Wenn dagegen alle wie die Amerikaner leben würden, dann bräuchten wir fünf Erden! Lebte jeder Mensch wie ein Europäer, dann wären drei Erden notwendig.

Gründe für schrumpfende Ressourcen

Nehmen wir das zweite Argument unter die Lupe: Die Erde hat nicht genügend Ressourcen für die aktuelle Weltbevölkerung. Was stimmt eigentlich nicht an dieser These? Dass die Erde begrenzte Ressourcen besitzt, die eine gewisse Zeit benötigen, sich zu regenerieren, ist offenkundig. Aber ist es wirklich so, dass die Anzahl der Weltbevölkerung der einzig relevante Faktor hierfür ist?

Analysiert man die Gründe für die schrumpfenden Ressourcen, kommt man sehr schnell auf Erkenntnisse über den verschwenderischen Lebensstil und Handlungen einiger radikaler Kapitalisten, welche maßgeblich die Ressourcenverschwendung beeinflussen. Hier einige exemplarische Ausschnitte aus der Medien über solche perversen Handlungen:

1. Ein Haufen Superreicher kontrolliert den globalen Wirtschaftsraum

[...] Besagter World Wealth Report spricht hier unverblümt von einer Plutonomie, einem System, in dem das globale Wirtschaftswachstum weitgehend auf das obere 1% entfällt. Während 2012 870 Mio. Menschen weltweit hungerten und viele tausend jeden Tag aufgrund des Mangels elend starben, explodierte also der Reichtum bei den relativ Wenigen. Umso erschütternder ist es, dass das Problem des Hungers hierbei kein Problem der weltweiten Nahrungsmittelkapazitäten ist [...] [2]

– 8 Männer besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.[3]

– Warren Buffet (einer der Top Multi-Milliardäre) gibt zu: „Es herrscht Klassenkampf, meine Klasse gewinnt, aber das sollte sie nicht.“ Englisches Originalzitat: „It's class warfare, my class is winning, but they shouldn't be.“ [4]

– Zerstörerische Umweltverschmutzung durch Massenherstellung ohne Grenzen: [...] Nach Angaben der Ellen MacArthur Foundation wird bis Mitte des Jahrhunderts mehr Plastik als Fische in unseren Ozeanen sein, und Schätzungen zufolge gibt es bereits heute ein Verhältnis von 1:2 zwischen Plastik und Plankton, einer lebenswichtigen Nahrungsquelle für viele Meeresbewohner. [...] Darüber hinaus sind unzählige Fälle von großen Meerestieren dokumentiert, die die Tüten aufnehmen – was oft zum Tod der Tiere führt. [...] [5]

2. Monopolisierung und Massenvernichtung von Waren

[...] Trotz Dürre-Katastrophe – Nestlé pumpt 50.000 Liter pro Stunde Wasser aus Äthiopiens Boden und baut die Milchwirtschaft aus [...] [6]

[...] Zuletzt entsteht Hunger auch durch ein Verteilungsproblem. „Argentinien verbrennt seinen Getreideüberfluss, Amerika lässt in den Speichern sein Korn verfaulen, Kanada hat mehr als zwei Millionen Tonnen Getreide übrig - und in Russland sterben Millionen vor Hunger.“ Es war 1921, als der spätere Friedensnobelpreisträger Fridtjof Nansen so klagte. Dass sich daran bis heute kaum etwas geändert hat, macht wenig Hoffnung [...] [7]

3. Kultur der Verschwendung

[...] 82 kg Lebensmittel wirft jeder Bundesbürger pro Jahr weg. Dabei ist das Wegwerfverhalten keineswegs über die Bevölkerung gleich verteilt. Während ältere Generationen aufgrund ihrer (Nach-)Kriegserfahrungen sparsam sind, verschwenden die Generationen X und Y deutlich mehr Ess- und Trinkbares [...] [8]

4. Ausbeutung von ärmeren Ländern

[...] Die Bevölkerungen der Industrieländer sind privilegiert, weil ihre Wirtschaftsräume auf die Rohstoffe und Arbeit anderer Länder zurückgreifen können [...] Vielen Menschen in westlichen Industrieländern, die über Afrika nachdenken und sich nach den Ursachen für die offenkundige Armut fragen, kommen vielleicht bewaffnete Konflikte, korrupte Eliten und mangelnde Technologien in den Sinn. Vielleicht gestehen sie noch ein, dass die Konflikte und Eliten auch ein Ergebnis kolonialer Wüterei sind, bei dem ein Kontinent ohne Rücksicht auf sprachliche, ethnische oder religiöse Gegebenheiten in Staatsgrenzen rein nach dem Gutdünken europäischer Regierungen zerteilt wurde [...] [9]

5. Maßloser Umgang mit natürlichen Ressourcen

[...] Fisch wird weltweit gern gegessen – vor allem in wohlhabenden Regionen. Doch in 40 Jahren könnte es damit vorbei sein. Selbst Aquafarmen ändern daran nichts [...] Nach Jahrzehnten der Überfischung sind die Meere in beklagenswertem Zustand [...] [10]

Fazit

Ohne Moral in der Wirtschaft herrscht Kapital und Gewinnmaximierung. Und da gibt es keinen Grund, gerecht zu handeln, keinen Grund, umweltschonend zu produzieren, und keinen Grund, warum man Ressourcen anderer nicht ausbeuten darf, keinen Grund, warum man keine Kriege „Im Namen der Liberalisierung der Welt“ führen darf, um eigene Wirtschaftsinteressen zu etablieren, andere Länder zu destabilisieren, um Weltmonopol zu bleiben, Nahrung zwecks Preiserhaltung zu vernichten, anstatt zu spenden usw. Warum auch, wenn das Ziel des Lebens sich nach dem „Überleben des Stärksten“ richtet. Dieser Wahnsinn kann sogar so weit gehen, dass man sich keinen deut um die Zukunft des eigenen Nachwuchses kümmert!

In dem Film Elysium (2013) erkennt man schön, wie eine ungerechte Wirtschaft zwangsläufig zu Unruhen führen muss. Auch heute ist diese große Diskrepanz zwischen Armen und Reichen soweit, dass einige Staaten schon als Elysium betrachtet werden können, wohin die Menschen am liebsten flüchten. Die ersten Anzeichen von Unruhen, die daraus resultieren, sind in Europa bereits sichtbar.

Aber ohne Hoffnung in das Gute im Menschen verfällt jeglicher Widerstand gegen die ungerechte Verteilung und die Ausbeuter der Weltressourcen. Denn wenn ich nicht mehr daran glaube, dass es Menschen geben kann, welche die höchste Moral anstreben und sich nicht erpressen lassen, dann wird für mich alles gleichgültig werden. Dies hat zur Folge, dass die wenigen habgierigen Landlords der Erde ihr Ausbeutungsspiel mit unserer Mutter Erde ungestört weiter betreiben können!

Die Hoffnungsvollen dagegen hoffen auf eine baldige Etablierung der wirtschaftlichen Gerechtigkeit und setzen sich dafür ein.

Jeder kann jetzt schon seinen Beitrag dazu leisten: Indem wir unseren Energieverbrauch gering halten, Großkonzerne, die bewiesenermaßen unmoralisch wirtschaften, boykottieren, uns und andere aufklären und politisch aktiv werden, aber auch dadurch, dass wir Fair-Trade-Produkte unterstützen, leisten wir unseren Beitrag. Wir sollten auch unserer Verantwortung gegenüber unseren Kindern und zukünftigen Generationen gerecht werden, und nicht zuletzt auch dem gegenüber, der uns die Erde anvertraut hat, so Gott will.


  1. https://www.footprintnetwork.org ↩︎

  2. https://www.heise.de/tp/features/Die-weltweite-Ausbeutungspyramide-am-Beispiel-Afrika-3398573.html?seite=all ↩︎

  3. https://www.oxfam.de/ueber-uns/aktuelles/2017-01-16-8-maenner-besitzen-so-viel-aermere-haelfte-weltbevoelkerung ↩︎

  4. http://edition.cnn.com/2005/US/05/10/buffett/index.html ↩︎

  5. https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/2050-gibt-es-mehr-plastik-als-fisch-im-meer/ ↩︎

  6. https://netzfrauen.org/2017/04/12/aethiopien-nestle/ ↩︎

  7. https://www.sueddeutsche.de/wissen/ernaehrungskrise-eine-welt-ist-nicht-genug-1.178845 ↩︎

  8. https://www.iwkoeln.de/studien/iw-kurzberichte/beitrag/theresa-eyerund-adriana-neligan-verschwenderische-generationen-x-und-y-350865.html ↩︎

  9. https://www.heise.de/tp/features/Die-weltweite-Ausbeutungspyramide-am-Beispiel-Afrika-3398573.html?seite=all ↩︎

  10. https://www.sueddeutsche.de/wissen/begehrtes-gut-fisch-ist-aus-1.177794 ↩︎


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