Liebe Schwester, lieber Bruder, wo warst du letztes Jahr am Quds-Tag?

Falls du bei der jährlichen Demonstration in Berlin oder in einer anderen Stadt warst, dann brauchst du dich nicht angesprochen zu fühlen. Ich gehe davon aus, dass du ein hohes Bewusstsein für die Angelegenheiten der Muslime und insbesondere für Palästina hast. Behalte dies bei und sei stets darauf bedacht, dich weiterhin und kontinuierlich für Gerechtigkeit, für die Unterdrückten in der Welt einzusetzen.

Aber falls du nicht bei einer der traditionellen Demos warst: Warum warst du nicht dort? Hattest du einen triftigen Grund für deine Abwesenheit? Dann möge es so sein.

Oder warst du nicht dort, weil du den Quds-Tag für unwichtig erachtest? Die Demonstration hierfür gar für sinnlos?

Bist du nicht derjenige, der jetzt lauthals in den sozialen Netzwerken und auf kurzfristig organisierten Kundgebungen schreit „Jerusalem gehört uns“ oder „Freiheit für Palästina“? Siehst du jetzt, wie wichtig Palästina und Al-Quds nicht nur für die Muslime, sondern auch für die Feinde ist?

Wie konntest du es mit deinem Gewissen vereinbaren, nicht zur Quds-Tag-Demo zu kommen?

Hast du etwa gedacht, dass das Leid Palästinas und der Palästinenser dich nichts angeht, weil du ein Schiit bist?

Hast du dich denn für das Anliegen der Schiiten eingesetzt? Hast du dich für Bahrain eingesetzt? Für Jemen? Für Irak, Syrien, Pakistan, Afghanistan, Myanmar? Ja oder nein? Warum hast du dich nicht aktiv für das Leid der Menschen dort eingesetzt, wenn du es doch als wichtiger erachtet hattest? Ich habe keine große Bewegung in den Medien vernehmen können, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Hast du nicht gesehen, wie die mehrheitlich schiitischen Jemeniten, die seit fast drei Jahren mit einem barbarischen Krieg der Saudis und Amerikaner überzogen werden, zu Hunderttausenden für Al-Quds und Palästina auf die Straße gehen? Dass in Nigeria am Quds-Tag sogar Schiiten von den pro-israelischen Sicherheitskräften der Regierung getötet werden?

Oder unterstützt du den Quds-Tag nicht, weil du ein Sunnit bist, und der Ausrufer des Quds-Tags, Imam Chomeini, ein Schiit war?

Sind denn die Palästinenser Schiiten? Wo sind denn die sunnitischen Präsidenten, Könige und Prinzen? Unterstützten sie die sunnitischen Palästinenser, wie es ein Imam Chomeini tat und ein Imam Chamenei heute fortführt?

Machen die Feinde Unterscheidungen in der Unterdrückung von Schiiten oder Sunniten? Oder unterdrücken sie nicht tatsächlich Muslime?

Schau mal, wie die Feinde vorgehen: Seit etwa sieben Jahren sorgen sie dafür, dass die Muslime überall hinschauen, nur nicht nach Palästina. Sie haben andere Länder zerstört und maßgeblich dazu beigetragen, dass Muslime sich gegenseitig bekämpfen. Derweil haben sie aber hinter den Kulissen enge Beziehungen aufgebaut, vor allem zwischen Israel und Saudi-Arabien, zunächst heimlich und von der Öffentlichkeit unbemerkt. Sie haben im Vordergrund heftige Kriege geführt, ihre wichtigsten Schlachtfelder waren hierbei Irak und Syrien. Sie haben sogar eine Armee von Söldnern geschaffen, die im missbrauchten Namen des Islams den Islam und die Muslime vernichten sollte. Sie verbreiteten sogar die Lüge, dass die überwiegende Mehrheit der Selbstmordattentäter im Irak, Syrien und Libanon Palästinenser seien. All das, nur um die Muslime von Palästina abzubringen und sogar einen gewissen Hass gegenüber Palästinensern in ihren Herzen aufzubauen. Sie haben diese Kriege aber verloren. Der IS ist militärisch besiegt. Die Achse des Widerstandes von Beirut bis Islamabad war siegreich.

Was aber ist nicht mal einen Monat nach dieser Niederlage die Reaktion der Feinde? Suchen sie sich etwa ein neues Schlachtfeld? Nein, sie führen auf der Mutter aller Schlachtfelder ihren ursprünglichen Plan aus. Sie vereinnahmen Al-Quds für sich, in einer Form, die eine Lehre für uns alle sein sollte.

Es ging und geht nur um Al-Quds und die Sicherheit Israels. Sie beanspruchen diese heilige Stadt exklusiv für sich in einer Weise, als ob sich fürchten, sie bald zu verlieren.

Aber wer hat sie das Fürchten gelehrt? Diejenigen, die sagten, dass Palästina und Al-Quds für die Muslime unwichtig seien, dass der Quds-Tag ein unnötiges Theater sei, gar Zeitverschwendung?

Oder diejenigen, die in jeder ihrer Reden und Schriften die Wichtigkeit von Al-Quds und Palästina betonen, die trotz der etlichen Fronten in der islamischen Welt stets auf die Hauptfront in Palästina verwiesen? Diejenigen, die junge Männer aus ihren Völkern opferten, damit Al-Quds und Palästina als Hauptanliegen der Muslime in deren Bewusstsein bleibt.

Du, ich und die gesamte Welt kennen die Antwort.

Deshalb, liebe Schwester, lieber Bruder, wenn du jetzt deine Stimme für Palästina erhebst, so möge Gott dich reichlich dafür belohnen, möge es inschallah ein wichtiger Tropfen in einem Meer von Stimmen sein. Aber bitte, bleibe mit Kontinuität auf diesem Pfad, halte fest an diesem Seil, unterstütze in Zukunft jedes Jahr aktiv den Quds-Tag. Wisse auch, dass dieser in Deutschland so harmlos erscheinende Quds-Tag der größte Dorn im Auge der (anti-)deutschen Zionisten ist. Sie tun hier alles Erdenkliche, um uns Muslimen den Quds-Tag als gefährlich darzustellen. Falle nicht auf diesen Lug und Trug herein, sondern denke stets daran, dass es anderswo Menschen gibt, die ihr Hab und Gut, ihr Leben und das Leben ihrer Angehörigen opfern.

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