Was treibt eine junge deutsche Journalistin in die Arme der radikal-zionistischen Springerpresse? Eine Spurensuche.

Drei Artikel in zwei Monaten gegen die Schiiten in Deutschland. Alle in der Bildzeitung, alle von Antje Schippmann. Fleißig hetzt sie zweifach gegen den „Knallhart-Mullah“ Scheich Dr. Torabi,1 2 3 verleumdet faktisch das Al-Mustafa-Institut in Berlin und den Dachverband der Schiiten in Deutschland (IGS) als „iranische Terror-Helfer“.4 Seit Jahren folgen die Berichte Schippmanns drei Mantras: Verteidigung des Apartheidsregimes Israel, Angriff auf die Islamische Republik Iran, Polemisierung gegen Islam und Muslime in Deutschland. Das war nicht immer so.

Noch 2012 schrieb sie für die Leipziger Regionalausgabe der Bildzeitung Artikel über die Wildschweinplage in Dessau-Roßlau,5 2013 über die längste Teilnehmerin einer Bild-Wette und über die neuste Attraktion im Freibad Halle.6 7 Im April 2014 kam die Wende: ihr erster Hetzartikel gegen die Islamische Republik Iran.8 Von da an war es vorbei mit den Wildschweinen und Freibädern, die drei Mantras ließen sie nicht mehr los. Was war mit der damals 26-jährigen Leipzigerin geschehen?

Auf der Facebook-Seite der Axel Springer Akademie stellt sie sich selbst vor:

„Gebürtige Leipzigerin, studierte in Marburg Politikwissenschaft. Erste journalistische Erfahrungen sammelte ich im hessischen Lokaljournalismus, später als Hospitantin bei der Berliner Morgenpost Online, den Israel-Nachrichten in Tel Aviv sowie in Journalismus-Seminaren während eines Auslandssemesters in Australien. Dann ein Abstecher in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der NGO „The Israel Project“ in Jerusalem und als Social Media Managerin für die israelische Botschaft in Berlin. Ab 2012 für BILD als freie Mitarbeiterin in Halle (Saale) unterwegs. Ich freue mich, an der Axel Springer Akademie meine Ausbildung im Stammressort BILD Politik zu machen.“ 9

Demnach verfolgte Schippmann gleich nach ihrem Studium eine zionistische Journalistenkarriere. Eine Indoktrination noch in ihrer Jugendzeit liegt nahe, denn im Apartheidstaat zu hospitieren und für das radikale Propaganda-Projekt „The Israel Project“ zu arbeiten, das der Öffentlichkeitsarbeit für den Zionismus gewidmet ist,10 und den Facebook-Account der Botschaft des Zionistenregimes zu verwalten, entspricht nicht dem für deutsche Journalistenanwärter üblichen Werdegang.

Trotzdem wirkte sie in der Bild auch nach ihrem Aufenthalt in Israel nur als Lokalreporterin. Zwar schrieb sie schon 2013 zwei Artikel für die Jüdische Allgemeine,11 aber als mediale Frontkämpferin der Springerpresse gegen den Islam wurde sie noch nicht eingesetzt. Dafür musste sie erstmal die Axel Springer Akademie absolvieren.

„Seit 2007 bildet die Axel Springer Akademie junge Journalisten aus – in Teams mit maximal 20 Teilnehmern. Die Ausbildung beginnt am 1. Januar bzw. am 1. Juli. Die Akademie setzt damit eine Tradition der 1986 gegründeten Journalistenschule Axel Springer fort, die 20 Jahre lang erfolgreich Maßstäbe in der Journalisten-Ausbildung gesetzt hat.“ 12

So lautet die Selbstbeschreibung der Akademie. Zwar unterschreibt jeder Journalist bei der Springerpresse die bekannten fünf Unternehmensgrundsätze („die Essentials“),13 darunter „Wir unterstützen das jüdische Volk und das Existenzrecht des Staates Israel“ und „Wir zeigen unsere Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika“, aber für den ausschließlichen Einsatz gegen den Islam bedarf es offenbar mehr als eine zionistische Gesinnung, es bedarf einer gesonderten Ausbildung. Das ist die Aufgabe der Axel Springer Akademie. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und wird monatlich mit 1400 Euro vergütet.14 Antje Schippmann war Mitglied im Team 15, Ausbildungszeitraum Januar 2014 bis Dezember 2015.15 Und ab 2014 schlug sich ihre Radikalisierung in den neuen Themenfeldern nieder.

Nun ist Antje Schippmann kein Einzelfall bei der Springerpresse. Jedes Jahr bildet die Akademie zwanzig neue Frontkämpfer aus. Warum ein Artikel über sie? Aus zwei Gründen: Erstens sind nur wenige derart auf den revolutionären Islam fokussiert wie sie. Ihr Werdegang und ihr Einsatz seit 2014 erfüllen die zionistische Bilderbuchvorstellung einer willfährigen Handlangerin in Deutschland. Schippmann scheint eine Hoffnungsträgerin des Zionismus in Deutschland zu sein. Und zweitens ist Schippmann noch jung, Jahrgang 1987. Sie wird voraussichtlich den Untergang des Apartheidstaates miterleben, im Gegensatz zu altgedienten Veteranen wie Ulrich Sahm, mit dem sie zusammen eine Kampagne zur Rechtfertigung des Wasserraubes Israels im Gazastreifen betrieb.16 Sahm wird möglicherweise vor einer juristischen Verfolgung verschont bleiben, aber die Propaganda Schippmanns soll für eine zukünftige Entzionistisierung dokumentiert werden. Denn eines Tages wird eine Wahrheitskomission17 auch die Rolle deutscher Journalisten bei der Unterstützung zionistischer Verbrechen zu beurteilen haben.

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