Inzwischen ist es fünf Jahre her, dass Günter Grass sein israelkritisches Gedicht in den deutschen Zeitungen veröffentlichte. Damals warf der deutsche Schriftsteller der israelischen Regierung vor, den Weltfrieden mit ihren Kernwaffen zu gefährden und einen Erstschlag gegen den Iran zu planen. Er kritisierte die deutschen U-Boot-Lieferungen und sprach von der Gefahr, die von der einzigen Atommacht im Nahen Osten ausgeht.

Ein Prosagedicht mit acht Strophen und knapp siebzig Zeilen reichten aus, um die gesamte mediale Aufmerksamkeit zu erhaschen. Man verhöhnte und verspotte das Gedicht und seinen Urheber, warf ihm Antisemitismus vor. Die deutschen Medien und Politiker waren echauffiert, von einem Affront war gar die Rede. Obendrein bestrafte der israelische Innenminister den deutschen Schriftsteller mit einem Einreiseverbot, weil der aussprach, was längst überfällig war. Er schrieb die Gedanken der schweigenden deutschen Mehrheit aufs Papier. Mit seiner Kritik an der israelischen Regierung öffnete Grass die Pforten für das öffentliche Dauerfeuer gegen seine Person. Denn noch immer gilt: Wer in Deutschland Kritik an Israel äußert, muss damit rechnen, ins gesellschaftliche Abseits gedrängt zu werden. Das durfte auch Grass am eigenen Leibe spüren.

So wichtig die Worte des deutschen Schriftstellers einst waren, so wenig waren sie ausreichend, das israelische Mörderregime in die Knie zu zwingen. Die Kritik des deutschen Schriftstellers rückte mit der Zeit in Vergessenheit, sie verblasste im Nebel der proisraelischen deutschen Presse, die jeden Hauch von Kritik mit der Nazi-Keule erwiderte. Die Worte gingen im Strudel der Ereignisse unter.

Inzwischen erkennen immer mehr Menschen in Deutschland, wer die Drahtzieher hinter den weltweiten Konflikten und Spannungen sind. Die heuchlerische Fassade der gekauften Medienorgane ist nicht mehr in der Lage, zu verbergen, was immer offensichtlicher wird. Es sind die schmutzigen US-geführten Feldzüge, die für das Leid und Elend der meisten Menschen verantwortlich sind. Mit Israel haben unsere amerikanischen Freunde einen seelenlosen tyrannischen Ableger gefunden, der ihre politischen Interessen im Nahen Osten durchsetzen kann. Wir beobachten einen brutalen Feldzug gegen die Masse der Menschheit. Er wird über unsere Köpfe hinweg geführt, weil die Masse über das Offensichtliche schweigt und die Okkupation dem Widerstand vorzieht.

Heute sollten wir sagen, was getan werden muss. Heute helfen uns Worte nicht mehr weiter! Wir müssen uns in Bewegung setzen, aufstehen gegen das Land, das die Praktiken der Nazis gegen eine ärmliche, unschuldige Bevölkerung ausübt. Ein bis an die Zähne bewaffneter Staat ist auf dem besten Wege, das gesamte kulturelle Erbe einer Nation vor unseren Augen auszulöschen. Es liegt an uns, diesem Massaker ein Ende zu bereiten, indem wir Taten sprechen lassen. Indem wir sie boykottieren, in Märschen demonstrieren gegen die übel stinkende Seuche des Zionismus.

Heute sind es noch wenige Tage bis zum jährlichen Qudstag. Jener Tag, der uns allen die Möglichkeit gibt, ein schallendes Signal des Friedens in die Welt zu senden. Der internationale Qudstag ist ein Schrei ins Gesicht der zionistischen Besatzung, eine weltweite Bewegung in Solidarität mit den Schwachen und Geknechteten. Er ist die tief in der Seele brennende Forderung nach Gerechtigkeit. Er hält sie lebendig. Die Sehnsucht nach Frieden, das Streben, Korruption und Falschheit auszumerzen. Der Qudstag ist das Symbol der Einheit, in der die über jede einzelne Religion stehenden universellen Werte im Vordergrund stehen.

Für viele schiitische Muslime steht die Teilnahme an den Demonstrationen an der Grenze zur religiösen Pflicht. Obwohl der Qudstag von einem schiitischen Geistlichen ins Leben gerufen wurde, richtet er sich an die ganze Menschheit. Gleich welcher Rasse, Nation, Hautfarbe oder Religion sind wir angeraten, die Quds-Bewegung mit unserer Präsenz zu stärken. Die Schiiten sollten ablassen von ihrem Pflicht- und Erwünscht-Denken und ihren geistigen Horizont erweitern. Dieser Tag ist zu bedeutend, als dass wir ihn engstirnig in eine religionsrechtliche Schublade stecken. Die Ahlulbayt (a.) haben uns den Stellenwert der Gerechtigkeit in etlichen Überlieferungen deutlich gemacht. Sie ist die höchste aller Tugenden. Eine Tugend eigne ich mir an durch praktischen Einsatz.

Auch Sunniten sind aufgefordert, die Demonstration mit ihrer Anwesenheit zu unterstützen. Zeigen wir den Mitbürgern, dass wir die Straßen füllen können, nicht nur, wenn ein türkischer Präsident oder seine Abgeordnete nach Deutschland reisen, sondern auch, wenn der über jede Nation erhabene Kampf gegen Besatzung im Vordergrund steht. Wir sollten unserer Verantwortung gegenüber Gott und seinen Propheten gerecht werden und für eine gerechte und friedliche Welt auf die Straßen gehen. In Palästina, Afghanistan, im Jemen und Irak vegetieren die Muslime vor sich hin. Man tötet sie, raubt ihnen das saubere Trinkwasser. Viele Menschen erliegen ihrem Hunger. Es war der Prophet (s.), der die islamische Gemeinschaft mit einem einzigen Körper verglich. So wie der ganze Mensch leidet, wenn ein Glied seines Körpers beschädigt wird, so muss ein jeder Muslim tiefen Schmerz empfinden, sobald ein Glaubensbruder, wo immer er sein mag, Unrecht erfährt.

Alle anderen freiheitsliebenden Menschen sind angeraten, am Qudstag mitzumarschieren. Wenn Landraub, Rassismus, Besatzung und religiöse Diffamierung Alltag werden, ist der Widerstand Pflicht. Uns eint der Wille nach Gerechtigkeit. Dieses kostbare Gut ist tief im Inneren des Menschen verwurzelt. Die Gerechtigkeit lässt uns Hürden und Schranken überwinden, die größten Verbrechersysteme zerstören.

Einst sagte Grass, was gesagt werden muss. Heute tun wir, was getan werden muss. Viele Mittel haben wir nicht. Nutzen wir das Wenige, um mit Gottes Hilfe Großes zu bewirken. Der internationale Qudstag am 23. Juni in Berlin ist ein Schritt in diese Richtung. Deshalb mein Plädoyer: Lasst uns alle demonstrieren. Lasst uns den Zionismus bekämpfen. Lasst uns unsere Seelen läutern.

Der Worte sind genug gewechselt,
Laßt mich endlich Taten sehn!
Indes ihr Komplimente drechselt, 
Kann etwas Nützliches geschehn.

(Johann Wolfgang von Goethe)

Zum Newsletter anmelden und über neue Artikel informiert werden.