Am 14. Juli 2015 tanzten Jugendliche in den Straßen von Teheran, feierten das Atomabkommen (JCPOA) und ihren Chefverhandler Außenminister Zarif.[1] Schon Monate zuvor hatte Imam Chamenei erklärt, dass kein Jubel angebracht sei und die USA ihre Versprechen üblicherweise brechen würden: „Dieser Pessimismus basiert auf Erfahrung [...] Traut den USA nicht.“[2] Er sollte Recht behalten. Leichte Vorhersage?

Viele Politiker und Analysten geben gelegentlich ihre Vorstellung von der Zukunft wieder. Sobald es zu konkreten Aussagen kommt, kann es schnell unglaubwürdig werden. Beispielsweise versprach im Jahr 2018 Trumps damaliger Nationaler Sicherheitsberater John Bolton noch vor dem nächsten Jahr in Teheran zu feiern – nach erfolgreichem Regime-Chance, versteht sich.[3] Ähnlich äußerte sich auch Donald Trump selbst, wenn auch ohne einen Zeitplan zu offenbaren. Imam Chamenei machte dazu ebenfalls eine Vorhersage: Die Islamische Republik wird bestehen, wenn Donald Trump bereits von Würmern zerfressen ist. Über diese Vorhersage lässt sich noch nicht abschließend urteilen. Das gilt auch für andere bekannte Aussagen von Imam Chamenei. Allerdings gibt es von ihm auch eine ganze Reihe von Vorhersagen, die sich bewahrheitet haben.

Atomabkommen – Traut den USA nicht!

Dass den USA nicht zu trauen ist, ist vielen ohnehin klar. Der Imam bezog sich aber ganz konkret auf die Art, wie die USA verhandeln. Am 9. April 2015 sagte er: „Die andere Seite (USA) bricht ihre Versprechen und fällt dir in den Rücken [...] Sie kehren auf den Fersen um und machen dich zur Lachnummer.“ Am 14. Juli 2015 wurde das Abkommen unterzeichnet. Zwar wies Imam Chamenei das iranische Verhandlungsteam an, auf eine Unterschrift des US-Präsidenten zu bestehen, durch die er eine Aufhebung aller Sanktionen garantierte, doch dem Team schienen gute Zusagen und die Vereinbarungen des Abkommens auch ohne Obamas Unterschrift ausreichend zu sein.[4]

Am 8. Mai 2018 kündigte Donald Trump an, dass die USA sich dem Abkommen nicht mehr verbunden fühlen. Die Sanktionen, die in manchen Bereichen wie dem Finanztransaktionssektor niemals aufgehoben wurden, wurden seitdem noch verschärft.[5] Doch die Europäer bekundeten, an dem Abkommen weiter festzuhalten. Imam Chamenei sagte am 9. Mai und ein weiteres Mal am 23. Mai 2018, dass er auch den drei europäischen Staaten nicht trauen würde. Im folgenden Jahr wurde auch den Europäern klar, dass ihre Politiker weder den Willen noch die Macht dazu besaßen, die US-Sanktionen gegen den Iran zu umgehen. Am 1. Juni 2019 verkündete die iranische Regierung, dass sie die im Atomabkommen festgehaltene erlaubte Kapazität an niedrig-angereichertem Uran überschritten habe.[6] Somit fühlt sich auch der Iran nicht mehr an die Vereinbarungen des Abkommens gebunden. Was Imam Chamenei anfangs schon sagte, hat nun die ganze Welt verstanden: Den USA ist nicht zu trauen.

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Moral im Westen

Es gibt auch klare gesellschaftspolitische Aussagen von Imam Chamenei, beispielsweise über den moralischen Verfall in Europa und den USA. Im Westen wird Homosexualität als Wert und die Ablehnung ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz als indiskutabel betrachtet. Aus islamischer Sicht kann es kaum ein deutlicheres Zeichen für den Verfall der Moral geben. In einer Rede vom 4. September 2014 sagte Imam Chamenei, dass man im Westen noch weit schlimmere und unangebrachtere Dinge erlauben bzw. zum Wert erheben werde.[7] Was genau damit gemeint sein könnte, ließ er offen. Möglicherweise Inzest? Am 24. September 2014 empfahlen die Mehrheit der Mitglieder des Deutschen Ethikrats, Inzest nicht mehr unter Strafe zu stellen. Der Gesetzgeber ist dieser Aufforderung noch nicht nachgekommen. Auch fehlt noch die gesellschaftliche Akzeptanz.[8]

Imam Chamenei sagte auch, dass die Konsequenz des fortschreitenden moralischen Verfalls im Westen, insbesondere im Zusammenhang mit der Zerstörung der Familie, keine geringere als der Zusammenbruch der Gesellschaft sein werde.[9]

Libanon 2006

Als Israel am 12. Juli 2006 eine großangelegte militärische Offensive gegen die Hisbullah im Libanon begann, schien der Ausgang des Krieges nach wenigen Tagen klar zu sein: Der Widerstand würde sich von den Schäden auf Jahre nicht erholen, vielleicht sogar gänzlich gebrochen werden. Die technologische Überlegenheit insbesondere durch die Luftwaffe schien ausschlaggebend. Über die begangenen Kriegsverbrechen würden sich im Nachhinein nur die Verlierer empören.

Die Israelis bombardierten nicht nur Gebäude und Stellungen der Hisbullah, sondern auch gezielt zivile Einrichtungen, um so einen Riss zwischen dem Widerstand und dem Volk herzustellen.[10] General Qassim Soleimani reiste am ersten Tag des Kriegsausbruchs in den Libanon, machte sich ein eigenes Bild von der Front und kehrte nach einigen Tagen in den Iran zurück, um Imam Chamenei Bericht zu erstatten. Er schätzte die Lage für äußerst ernst ein, entsprechend war auch sein Bericht. Auch die Führung der Hisbullah teilte seine bittere Einschätzung. Schahid Soleimani sagte in einem Interview: „Meine Beobachtungen ließen keine Hoffnung auf Sieg zu.“

Imam Chamenei hörte dem Bericht zu und sagte direkt im Anschluss den baldigen Sieg voraus. Dieser Krieg sei mit der Grabenschlacht des Propheten zu vergleichen, bei dem sich alle Araber gegen ihn verschworen, gemeinsam angriffen und eine schwere Demütigung erleben mussten. Darüber war selbst der erfahrene General überrascht. Sayyid Hassan Nasrullah nahm diese Botschaft wie eine Prophezeiung auf und gab die gewonnene Zuversicht weiter.[11] Zurecht, wie sich zeigte.

Die israelische Armee musste während ihrer Bodenoffensive hohe Verluste an Panzern und Soldaten hinnehmen, konnte keine Stadt einnehmen und den Raketenbeschuss durch die Hisbullah nicht verhindern. Zudem konnte die Hisbullah mit einigen Überraschungen aufwarten. Für viele war es der Moment, der die Erinnerung an diesen Krieg prägen sollte, als Sayyid Hassan Nasrullah den Angriff auf ein israelisches Kriegsschiff live im Fernsehen kommentierte und die Zuschauer die Bilder des brennenden Schiffs auf dem Mittelmeer sahen.[12] Nach 33 Tagen stimmten die Kriegsparteien einer Waffenruhe zu. Während die Israelis gedemütigt das Land verließen, wurden die Hisbullah-Kämpfer nicht nur im eigenen Land als Helden gefeiert.

Tatsächlich war der Krieg gegen den Libanon ein Teil des amerikanischen Projekts Neuer Mittlerer Osten, bei dem sie eine Neuordnung unter ihrer Kontrolle planten. Mit der israelischen Niederlage 2006 starb das Projekt vorerst. Schon am 1. Mai 2004 sagte Imam Chamenei: „Ihr Ziel ist es, diese Region zu verschlucken. Natürlich wird es ihnen nicht gelingen. Diese Nahrung wird ihnen im Halse stecken bleiben und sie ersticken.“[13]

Saudi-Arabien im Jemen

Am 4. September 2015 sagte Imam Chamenei in einer Rede über die Saudis, dass sie diesen Krieg nicht gewinnen und große Verluste verzeichnen würden: „Zweifellos werden sie mit dem Gesicht in den Dreck geworfen.“ Er begründete diese Analyse damit, dass der Jemen militärisch stärker ist als der Gazastreifen und die Saudis schwächer als die Israelis. Dennoch haben die Israelis in den vergangenen Kriegen gegen Gaza ihre Ziele nicht erreichen können und noch dazu große Demütigungen hinnehmen müssen, sodass sie nach wenigen Wochen eine Waffenruhe unterzeichneten.

Auch wenn das jemenitische Volk stark unter diesem Krieg leidet, hat sich gezeigt, dass die Aussage des Imams korrekt war. Bereits im Jahr 2018 meldete Al-Dschasira, dass Saudi-Arabien mehr als 1000 Soldaten verloren hat. Weitere Tote sind seitdem fast wöchentlich hinzugekommen. Die Ansarullah haben darüber hinaus Überraschungserfolge mit Raketen- und Drohnenangriffen erzielen können.[14]

Am 20. Mai 2017 kaufte Saudi-Arabien von den USA Waffensysteme im Wert von 350 Milliarden Dollar. Imam Chamenei kommentierte diesen Mega-Deal eine Woche später folgendermaßen: „Diese Idioten glauben, dass sie die Liebe der Feinde des Islams gewinnen können, indem sie ihnen Geld geben [...]. Dabei gibt es dort keine Liebe. Wie sie selbst sagten, sind sie wie Milchkühe. Sie melken sie, bis die Milch ausgeht, und danach schlachten sie sie.“[15] Er sagte voraus, dass es den Saudis nicht gelingen würde, die Zuneigung der USA zu kaufen und die USA diese Anbetung zurückweisen würden. Anzeichen dafür sind bereits zu sehen: Donald Trump demütigte Saudi-Arabien mehrmals öffentlich, indem er sagte, dass sie die USA für ihre Militärpräsenz bezahlen müssten. Ein anderes Mal sagte er, Saudi-Arabien hätte nichts außer Geld.

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Palästina

Zum Zentrum der Politik des Widerstandes hat Imam Chamenei die Befreiung Palästinas gemacht. Schon immer hat er in diesem Punkt eine hoffnungsvolle Zukunft gezeichnet. Am deutlichsten mit den Worten: „Palästina wird die Freiheit erlangen. Habt keinen Zweifel daran.“[16]

Legendär ist aber eine Ankündigung des Imams, die eine konkrete zeitliche maximale Haltbarkeit für das zionistische Regime festlegt. Nach dem Atomabkommen gab es Äußerungen aus der israelischen Elite, wonach Israel nun fünfundzwanzig Jahre Ruhe vor dem Iran hätte. Am 1. Juli 2016 antwortete Imam Chamenei darauf: „Ihr werdet die nächsten fünfundzwanzig Jahre nicht erleben.“[17]

Schahada von Qassim Soleimani

Die Schahada von General Qassim Soleimani hat Imam Chamenei nicht direkt vorhergesagt. Doch er hat dafür gebetet. Am 10. März 2019 sagte der Imam über seinen General: „Möge Allah der Erhabene ihn belohnen und segnen. Und möge er ihm ein reichhaltiges Leben und schließlich die Schahada gewähren, aber nicht zu diesem Zeitpunkt. Momentan benötigt die Islamische Republik seine Dienste noch für viele Jahre. Aber möge er ihm letztlich die Schahada gewähren, inschallah.“[18] Diese Schahada hatte er sich allerdings bereits am 3. Januar 2020 verdient.

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Die schwere Vergeltung

In der Kondolenzbotschaft zur Schahada von General Qassim Soleimani schrieb Imam Chamenei: „Durch Gottes Macht werden sein Wirken und sein Weg nach seinem Abschied nicht vergehen. Eine schwere Vergeltung erwartet jene Verbrecher, an deren unseligen Händen sein Blut und das Blut der anderen Märtyrer klebt.“[19]

Hier kündigt Imam Chamenei nicht die militärische Antwort an, sondern sagt die langfristigen Folgen voraus. Eine militärische Antwort wurde gegeben. Das eigentliche Ergebnis der Vergeltung kann aber nichts Geringeres als das Ende der US-Präsenz im Nahen Osten sein.


  1. Iraner tanzen in den Straßen von Teheran: https://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4680022,00.html ↩︎

  2. Traut ihnen nicht: http://english.khamenei.ir/news/5706/Video-His-prediction-on-JCPOA-came-true ↩︎

  3. John Bolton über den Regime-Change 2018: https://www.youtube.com/watch?v=YG7DqFM6uxc ↩︎

  4. Traut ihnen nicht: http://english.khamenei.ir/news/5706/Video-His-prediction-on-JCPOA-came-true ↩︎

  5. Sanktionen im Finanztransaktionssektor wurden nie aufgehoben: https://www.bloomberg.com/quicktake/irans-economy ↩︎

  6. Iran hält sich nun ebenfalls nicht mehr an das Atomabkommen: https://apnews.com/3e2d08074a4f4256ba6ee379cdb168f7 ↩︎

  7. Imam Chamenei über den moralischen Verfall im Westen: http://english.khamenei.ir/news/6223/One-factor-that-ensures-divine-perfection-is-pioneering-in-knowledge ↩︎

  8. Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zum Inzestverbot (2014):
    https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/stellungnahme-inzestverbot.pdf ↩︎

  9. Imam Chamenei über moralischen Verfall und den Zusammenbruch der Gesellschaft (Rede über die Stellung der Frau im Islam): http://english.khamenei.ir/news/5794/Why-is-Islam-s-outlook-on-women-preferred-over-the-Capitalist ↩︎

  10. Israel versuchte Riss zwischen Hisbullah und den Libanesen herzustellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Libanonkrieg_2006 ↩︎

  11. Vollständiges Interview mit Schahid General Qassim Soleimani: http://english.khamenei.ir/news/7074/Untold-facts-on-Israel-Hezbollah-war-in-an-interview-with-Major ↩︎

  12. Hisbullah attackiert israelisches Kriegsschiff: https://www.youtube.com/watch?v=lR4KIJk5q0U ↩︎

  13. Imam Chamenei über das Projekt Neuer Mittlerer Osten: http://english.khamenei.ir/news/6996/What-are-the-5-predictions-of-Imam-Khamenei-which-came-true ↩︎

  14. Al-Dschasira über den Jemen-Krieg: https://www.aljazeera.com/news/2018/05/1-000-saudi-troops-killed-yemen-war-began-180528174808387.html ↩︎

  15. Imam Chamenei über den Waffendeal zwischen Saudi-Arabien und den USA (2017): http://english.khamenei.ir/news/7249/Why-does-the-Saudi-regime-give-out-its-people-s-money-to-the ↩︎

  16. Palästina wird befreit: https://www.youtube.com/watch?v=tU6H4jExLk4 ↩︎

  17. Das zionistische Regime wird die nächsten 25 Jahre nicht erleben: https://www.youtube.com/watch?v=F6VCu3rfxrE ↩︎

  18. Imam Chamenei betet für die Schahada von General Qassim Soleimani: http://english.khamenei.ir/news/6518/Imam-Khamenei-s-statements-when-awarding-Major-General-Soleimani ↩︎

  19. Kondolenzbotschaft zur Schahada von Qassim Soleimani: https://offenkundiges.de/schwere-vergeltung-erwartet-die-verbrecher-imam-chameneis-botschaft-zum-martyrium-qassem-soleimanis/ ↩︎