Umweltschutz ist Großer Dschihad

Es ist einleuchtend, dass alle Handlungen eines Menschen direkt oder indirekt zu seinem Ziel führen sollten. Das Ziel, welches unser Herr für uns bestimmt hat, ist seine Stellvertreterschaft auf Erden, also dass wir nicht tun, was unsere Triebe uns befehlen oder was uns persönliche Vorteile verschafft, sondern versuchen Allahs Eigenschaften (natürlich in menschlichem Maße) anzunehmen und nach seinem Willen zu handeln.

Nun soll sich jeder selber fragen, inwiefern von Handlungen wie dem Entsorgen des Mülls in der Natur, dem unbedingten Fahren mit einem Auto statt ÖPNV oder dem Erwerben eines T-Shirts, dessen Produktion mit Ausbeutung, Unterdrückung und Umweltverschmutzung einhergeht, göttliche Zufriedenheit zu erwarten ist.

„Unheil ist auf dem Festland und auf dem Meer erschienen aufgrund dessen, was die Hände der Menschen erworben haben. Er will sie damit einiges kosten lassen von dem, was sie getan haben, auf dass sie (dann) umkehren.“ [Sure Ar-Rum (30), Aya 41]

In diesem Artikel möchte ich drei wichtige muslimische Tugenden nennen, welche beim Rücksichtnehmen auf die Umwelt automatisch gefördert werden.

1. Gesünder leben

Lebensmittel in Deutschland können hauptsächlich auf zwei Arten der Umwelt schaden. Zum einen, wenn diese aus fernen Ländern importiert werden und dieser Transport eine große Menge an Kohlenstoffdioxid-Emissionen freisetzt. Und zum anderen gibt es in unseren Supermarkt-Regalen viel Essen, welches in umweltunfreundliches und teilweise gesundheitsschädliches Plastik (für dessen Herstellung ebenfalls viel Energie verwendet werden muss) verpackt ist. Wenn man nun beiden Problemen aus dem Weg gehen will, sehe ich die Möglichkeiten, Obst und Gemüse selbst anzubauen und davon zu leben oder das regionale Einkaufen, z. B. auf Wochenmärkten. Bei Letzterem gibt es schlichtweg keine Möglichkeit, ungesunde Fertigessen oder palmölhaltige Süßigkeiten zu kaufen. Aus dieser Sicht ist also ein Nebeneffekt des bewussteren Einkaufens, dass man gesünder isst und vor allem, wenn man selbst kocht, genau weiß, was drin ist und was nicht.

2. Weniger Verschwendung

„Diejenigen, die verschwenderisch sind, sind Brüder der Satane; und der Satan ist gegenüber seinem Herrn sehr undankbar.“ [Sure Al-Isra (17), Aya 27]

Umweltschutz sollte sich nicht nur auf das Essen beziehen, sondern alle Bereiche unseres Lebens abdecken, sofern es zumutbar ist.

Die Produktion von Kleidung beinhaltet, unabhängig vom Hersteller oder Preis, fast immer menschenunwürdige Verhältnisse, unter der vor allem die ostasiatische Region leidet. Hierbei spreche ich sowohl von Chemieabfällen, welche im Trinkwasser der Menschen landen, als auch von ausbeuterischen Arbeitszeiten für einen Hungerlohn.

Auch ein Kleidungsstück, welches im schlimmsten Fall nicht angezogen wird, sondern im Schrank bleibt, muss den Weg durch die Produktion und Verschiffung usw. gehen. Dies ist in meinen Augen Verschwendung, egal wie günstig das T-Shirt war. Wenn wir nun alle versuchen, wirklich nur das Wichtigste zu kaufen und auf das Herkunftsland (ideal wäre Deutschland) oder bestimmte Siegel zu achten, dann wären wir zumindest in diesem Bereich keine Verschwender und könnten helfen, die Welt zu einer besseren zu machen.

Natürlich geschieht Ähnliches auch bei der Herstellung von Elektro-Geräten, hier werden nämlich Edelmetalle aus Afrika und sogenannte Seltene Erden hauptsächlich aus China benötigt. In beiden Regionen kann man keineswegs von menschenwürdigen Standards reden.

3. Das Boykottieren von Unterdrückern

Und dieser Punkt liegt mir besonders am Herzen und zeigt, dass man kein Schiit, kein Muslim und nicht mal ein religiöser Mensch sein muss, um bestimmte Produkte und Firmen zu boykottieren. Denn die Firmen, zu deren Boykott wir uns aufgefordert fühlen sollten, sind nicht nur politisch auf der Seite der Unterdrücker, sondern lassen auch die Natur völlig außer Acht. Wir finden vor allem im Nahrungs- und Kleidungsbereich hauptsächlich amerikanische Firmen, welche die Rohstoffe ihrer Produkte aus Entwicklungsländern rauben und dazu viel Verpackungsmüll verursachen. Wenn wir nun diese Firmen boykottieren und immer bedacht und möglichst regional kaufen, schaden wir den Unterdrückern und sparen sogar meist Geld. Es wäre unsinnig, dies zu lassen!

Meiner Meinung nach braucht es bei allen drei Punkten ein Maß an Selbstüberwindung, denn es handelt sich um Verzicht auf Dinge, die niederen Triebe begehren. Wenn wir aber nun unsere Triebe unter Kontrolle haben und moralisch verantwortungsvoll handeln oder zumindest den Weg dazu wirklich anstreben, so befinden wir uns mitten im Großen Dschihad, den Dschihad-un-Nafs!

Jafar Bilal ist Schüler aus Norddeutschland und Nachwuchsautor von Offenkundiges.


Melde dich jetzt zum Newsletter von Offenkundiges an und werde über jeden neuen Artikel informiert.