Spielotheken sind ein fester Bestandteil unserer Innenstädte geworden und auch zahlreiche Gaststätten geizen nicht mit entsprechenden Automaten. Farbenfroh blinkend verheißen sie Glück und schnelles Geld.

Dabei sollte doch eines klar sein: Am Ende gewinnt allein der Automat[1] bzw. dessen Betreiber. Wieso sollte er sonst einen Automaten aufstellen? Aus purer Nächstenliebe? Zudem ist Glücksspiel ein mehr als irreführender Name. Er impliziert, der Spieler habe mit entsprechendem Glück eine reelle Chance darauf, mit einem Gewinn aus dem Spiel zu gehen. Dem ist in aller Regel nicht so. Meistens funktionieren Spielautomaten vielmehr nach einem Algorithmus, der den Spieler in einem Bruchteil der Spiele gewinnen lässt, wodurch jeweils erhebliche Glücksgefühle produziert werden. Dieses Phänomen ist auch neuronal zu erklären. Spielgewinne lösen, wie andere Gewinne auch, im Gehirn die Ausschüttung von Botenstoffen, in erster Linie Dopamin aus. Es entstehen starke Glücksgefühle, die vom Spieler an die Gewinnsituation am Automaten gekoppelt werden. Es kommt zu einer Konditionierung und in der Folge zu einer psychischen Abhängigkeit, weil der Spieler diese Glücksgefühle erneut erleben will.

Diese Mechanismen gleichen denen, die bei einer Abhängigkeit von anderen Drogen wie Heroin ablaufen. Hier setzt nun das Geschäftsmodell des Glücksspiels an. Hätte der Spieler eine 50:50-Wahrscheinlichkeit zu gewinnen oder zu verlieren, hätten wahrscheinlich weder er noch der Betreiber des Automaten großartige Gewinne zu bejubeln oder Verluste zu beklagen. Was wäre dann die Motivation zum Aufstellen solcher Automaten? Nein, letztlich gewinnt lediglich der Betreiber des Automaten, was durch dessen Algorithmus auch genau festgeschrieben ist.

Sucht als Geschäftsmodell

Nun ist es aber so, dass die Mehrzahl der Spieler das weiß und sich wenig Illusionen über ihre Gewinnchancen macht. Wieso also spielen sie weiter und schenken dem Betreiber immer mehr Geld? Sie sind oftmals schlicht abhängig. Auch ein Heroinsüchtiger weiß in der Regel, dass das, was er tut, nicht richtig ist und ihm nur schadet. Eine Sucht zeichnet sich aber genau dadurch aus, dass eine willentliche Kontrolle über das eigene Handeln nicht mehr ohne weiteres möglich ist. Der Spieler kann sein Spiel nicht einfach beenden, sobald er rational die Sinnlosigkeit des Spielens erkannt hat.

Es ist auch keineswegs so, dass nur einige wenige Kritiker dieses, wie von den Betreibern oft so bezeichnet, „harmlosen Freizeitvergnügens“ es als krankhafte Sucht bezeichnen. Vielmehr zählt pathologisches Glücksspiel offiziell als Krankheit und wird vom diagnostischen Handbuch ICD-10 unter der Kennziffer F63.0 folgendermaßen definiert: „Die Störung besteht in häufigem und wiederholtem episodenhaften Glücksspiel, das die Lebensführung des betroffenen Patienten beherrscht und zum Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Werte und Verpflichtungen führt.“

Und hier wird auch das Hauptproblem angesprochen: Durch das Glücksspiel wird die gesamte Existenz des Abhängigen und seiner Familie bedroht. Die Spielsucht ist eine außerordentlich kostspielige Angelegenheit. Betroffene verspielen nicht selten ihre sämtlichen Ersparnisse, nehmen Schulden auf, die sie nicht zurückzahlen können, und bestehlen Familienangehörige oder werden auf andere Weisen kriminell. Das hat schon unzählige Male komplette Familien in den Ruin getrieben und zerstört. Der Betroffene zerstört nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner Angehörigen.

Seilschaften mit der Politik

Diese Beschreibungen könnten ohne weiteres auch aus einem Ratgeber über Drogen wie Heroin o. ä. stammen, im Gegensatz zu Heroin ist Glücksspiel mit wenigen Einschränkungen in Deutschland aber legal. Die Betreiber dieser Opiumhöhlen des Automatenspiels sind nicht einmal auf die Illegalität angewiesen, nein, sie können mitten in der Innenstadt ihre Etablissements errichten. Und nicht nur das: Die Lobbyisten der Glücksspielindustrie sind mit der Politik eng verbandelt. So ist beispielsweise der ehemalige Hamburger Oberbürgermeister Ole von Beust Berater des Deutschen Lotto- und Totoblocks (DLTB) und auch der ehemalige Chef der Mainzer Staatskanzlei, Martin Stadelmann, sowie viele andere Politiker haben einen ähnlichen Weg eingeschlagen.[2] Gleichzeitig nehmen auch Lobbyisten der Glücksspielindustrie durch Parteispenden und Sponsoring direkten Einfluss auf die Politik, um strengere Regelungen zum Schutz des Spielsüchtigen bereits im Anfangsstadium zu unterbinden.[3] Dem Glücksspielmagnaten Paul Gauselmann, Chef des deutschen Marktführers für Spielautomaten, wurde durch den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau sogar das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen. Die Liste der Verbindungen zwischen Glücksspielindustrie und Politik und der Einflussnahmen durch Lobbyisten ließe sich lange fortführen. Das ist auch wenig verwunderlich, da dadurch nicht wenige Steuereinnahmen generiert werden, nicht zuletzt auch in staatlichen Casinos. Die Politik macht sich hier also eindeutig zum Mittäter.

Letztendlich wird damit eine Industrie geschützt, deren einziges Ziel es ist, möglichst viel Geld aus den Süchtigen herauszupressen, und sich nicht darum kümmert, wie viele Existenzen und Familien sie damit zerstört. Es ist nämlich zweifellos so: Von Menschen, die angeblich aus reinem Freizeitvergnügen im Monat vielleicht 20 Euro am Automaten lassen, könnte die Glücksspielindustrie niemals überleben, auch wenn sie das selber niemals zugeben wird. Die Sucht ist, wie bei anderen Abhängigkeit erzeugenden Drogen auch, kein unerwünschtes Nebenprodukt, sondern das Geschäftsmodell. Das ist nicht hinzunehmen. Heroin und Kokain sind zurecht verboten und Glücksspiel sollte genauso ohne wenn und aber verboten werden.

Nicht umsonst ist das Glücksspiel zusammen mit anderen Suchtmitteln im Islam verboten: „Der Satan will (ja) zwischen euch nur Feindschaft und Hass säen durch berauschenden Trank und Glücksspiel und euch vom Gedenken Gottes und vom Gebet abhalten. Werdet ihr (damit) nun wohl aufhören?“ (5:91)

Dieser Vers zeigt durch die Zusammenstellung der beiden Suchtmittel Alkohol und Glücksspiel die enge Verbindung zwischen ihnen, die, wie oben ausgeführt, mittlerweile auch neurophysiologisch zu erklären ist.

Es steht für uns Muslime außer Frage, dass das Glücksspiel in jedem Fall schädlich und zu unterlassen ist und auch die unabhängige wissenschaftliche Forschung hat diesen Sachverhalt längst bestätigt. Lasst uns gemeinsam dafür streiten, dass es endlich zu einem umfassenden Verbot kommt!



  1. Alle Ausführungen gelten in gleicher Weise für alle Arten des Glücksspiels wie z. B. Lotto oder Roulette, aber 80 % aller Spielsüchtigen sind an den Automaten anzutreffen. ↩︎

  2. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/politiker-als-lobbyisten-fachleute-des-glueckspiels-13074752.html ↩︎

  3. http://www.fr-online.de/wirtschaft/gluecksspiel-der-hohe-einfluss-der-gluecksspiel-industrie,1472780,11943518.html ↩︎

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