Soziale Netzwerke, Individuum

Softwar im Schauplatz sozialer Medien

Der folgende Artikel entstammt der Feder der Offenkundiges-Nachwuchsautorin Nergis Ibrahim-Mohsen. Er behandelt kritisch den sorglosen Umgang mit vermeintlich harmlosen Medien, benennt konkrete Gefahren für die geistig-religiöse Entwicklung und zitiert schließlich die kostbaren und stets aktuellen Empfehlungen, die der muslimischen Jugend vor einigen Jahrzehnten geschenkt wurden.

Gerade Jugendliche scheinen die Gefahren sozialer Medien nicht direkt zu erkennen. In der Bahn fünfzehn Minuten lang – ohne Pause – durch Instagram zu scrollen und damit wertvolle Zeit zu verschwenden, ist tatsächlich üblich geworden, vielleicht schon selbstverständlich. Vor einigen Tagen aber ist mir eine Sache ganz besonders aufgefallen. Ich dachte mir, ich bin oft in Instagram unterwegs und schaue mir die verschiedensten Bilder und Videos an, warum dann nicht einmal mit einem kritischen Blick?

Beim Scrollen in der Straßenbahn

Bereits in den ersten zwei Minuten fand ich ein Bild, welches vielen lustig erscheint und mit dem sich leider eine Menge Jugendliche identifizieren: Das Bild zeigt eine Uhr, dessen Ziffernblatt statt der Zahlen 1 bis 12 wechselnd die Worte „müde“ und „hungrig“ auflistet. Im ersten Augenblick wirkt das halb so wild und auch lustig.

Aber mal kritisch betrachtet: Wenn ich als Jugendliche mich mit diesem Bild identifiziere, dann bedeutet es, dass es für mich normal ist, den Tag lediglich mit Essen und Schlaf zu verbringen, sprich unproduktiv zu sein. Außerdem suggeriert es, dass es selbstverständlich sei, im Überfluss zu leben und jede zweite Stunde vor dem Kühlschrank zu stehen oder zu schlafen. Anders betrachtet: Mal angenommen, das Bild wäre gefüllt mit verschiedenen produktiven Aktivitäten, wie wäre dann die Reaktion auf das Bild? Klar, das Bild wäre nicht mehr lustig, aber ein Jugendlicher, der es ansieht, würde sich denken: „O wow, ich könnte mich echt mal aus dem Bett bewegen und was tun.“

Ein anderer Fall: Ein Bild, das ein Streitgespräch zwischen einem Paar graphisch darstellt und auf dem – unabhängig davon, ob die Frau tatsächlich im Recht oder im Unrecht ist – der Mann am Ende immer der Verlierer ist. Der Mann hat nie Recht und die Frau darf auf ihr Recht bestehen, in jedem auf dem Bild beschriebenen Fall.

Mal abgesehen davon, dass das Bild in meinen Augen nicht einmal lustig ist, habe ich mir die Frage gestellt, welche Wirkungen solche Bilder auf eine junge Frau haben könnten. Der Logik zufolge ist die Frau immer im Recht und der Mann immer im Unrecht, egal was die Frau sagt. Und sollte der Mann doch mal auf sein Recht bestehen, so begeht er eine Todessünde, die der Frau das Recht gibt, tagelang beleidigt zu sein, so dass der Mann die Versöhnung suchen muss. Mädchen spiegeln durch dieses Bild und ähnliche Bilder und Medien genau diese Attitüde wider, denn sie nehmen sich das kategorisierte Bild der Frau zum Vorbild und tragen dieses Verhalten schließlich in die Ehe mit. Vielleicht einer der Gründe, weshalb so viele Ehen scheitern?

Auf den ersten Blick scheint dies ein wenig überspitzt und übertrieben, aber eine andere Frage: Woher kommen die Gedanken vieler Jugendlichen und Kinder? Ich bin kein Mensch, der gern fernsieht, doch manchmal kommt es vor, dass ich gemeinsam mit meiner Schwester einige Kinderserien schaue. Ich sehe da aber keine Kinderserien, sondern „Datingserien“, denn das, was ich sehe, sind Kinder, die sich bemühen, so schnell wie möglich einen „Freund“ zu finden, und die auf das erste „Date“ hoffen. Oftmals muss bei diesem „Date“ bereits der erste Kuss erfolgen. Wer diesem Credo nicht folgt, gilt als Außenseiter.

In faktisch jeder Serie gibt es ein verliebtes Paar, oft bereits im jungen Alter von 10–13 Jahren. Kinder und Jugendliche werden abgelenkt, mit Alkohol, Drogen, ausufernden Partys und durch Förderung gewisser Triebe.[1]] Mittlerweile gibt es meiner Ansicht nach so gut wie keine Kinderserien mehr, die mit Moral gefüllt sind, die Kinder zum Nachdenken motivieren oder zumindest dazu, mit Freunden und Familie Zeit zu verbringen. Im Gegenteil, den Kindern wird vermittelt, dass es wichtig sei, immer online zu sein, aktiv im Netz und immer erreichbar – und was auf keinen Fall fehlen darf: WLAN zu haben.

Man könnte meinen, dies sei übertrieben dargestellt, das dachte ich zunächst auch. Doch bereits einige Tage nach diesem Gedanken traf ich eine Gruppe von Kindern in der Straßenbahn – wahrscheinlich aus einem Hort, in dem Kinder meist sechs bis zehn Jahre alt sind – und höre dem Dialog zweier junger Mädchen (ca. zehn Jahre) zu, die davon sprechen, ein „unglaubliches Erlebnis“ gehabt zu haben. Eines der Mädchen habe nämlich einen Jungen gefragt, wo sie sich umziehen könne, und schwärmte davon, die Haut des Jungen berührt zu haben. Und nun frage man sich, woher diese Gedanken kommen.

Natürlich; es gibt ein Alter, in dem Kinder beginnen, das andere Geschlecht zu bemerken und auch Gefühle zu entwickeln. Dennoch; wie kann es sein, dass einem Kind an erster Stelle beigebracht wird, die sexuellen Triebe in vollstem Maße auszuleben, und zwar durch „Dates“, gemeinsame Abende und unverantwortlichen Körperkontakt? Die Frage „Wie vermittle ich meinem Kind die Moral, die es zu einem vernünftigen und verantwortungsbewussten Menschen macht?“ wirkt in diesem Kontext völlig unpassend und freiheitsraubend.

Softwar und soziale Medien

Die Menschen werden bereits im jungen Alter vom Wesentlichen abgelenkt und daran gehindert, über Sinnvolles nachzudenken. Kinder werden nicht dazu angeregt, über den Sinn des Lebens nachzudenken, sondern dem Materialismus zu frönen und von allem das Beste, das Teuerste und das Modernste zu besitzen. Besitz existiert nur noch im materiellen und ökonomischen Sinne, nicht im kulturellen Sinne, in der Bildung und im Wissen. Je mehr der Mensch von klein auf an diesen Dingen festhält, desto weiter entfernt er sich von den Menschen, von sich selbst, von seiner reinen Natur und damit von Gott. Imam Ali (a.) sagt: „Wer sich selbst erkennt, hat seinen Herrn erkannt.“

Erich Fromm[2] unterschied zwischen einem Menschen, der am Haben und einem Menschen, der am Sein orientiert ist. Er sagte, dass jemand, der am Haben orientiert ist, nur das Beste im materiellen Sinne besitzen möchte, wie beispielsweise ein Auto oder teure Kleidung. Er vergleicht sich ständig mit anderen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben oder besser zu sein.

Ein am Sein orientierter Mensch ist jemand, der sich nicht durch andere definiert und sich dadurch entfremdet, er arbeitet ständig an sich. Er ist kein Sklave der Wirtschaft, sondern er sucht den Wert im Sinn des Lebens, im Sinnvollen und ist dadurch ständig im Prozess der Weiterentwicklung. Gleichermaßen ist jener, der am Haben orientiert ist, von Passivität geprägt, wogegen ein vom Sein orientierter Mensch eine innere und äußere Aktivität ausstrahlt.

Imam Chomeinis Empfehlungen an die Jugend

Menschen sind im Kindes- und Jugendalter am stärksten beeinflussbar. Das machen sich die Medienmacher zunutze. Denn bereits im frühen Alter bekommen Kinder in den Kopf gesetzt, dass die Freiheit darin bestehe, ohne Einschränkungen alles zu tun, was „Spaß“ mache. Dazu gehören Alkohol, Partys, Drogen und die Förderung aller sexuellen, materialistischen und verschwenderischen Triebe.

Imam Chomeini sagte zu den Menschen, dass sie ihre Jugend sinnvoll nutzen müssen, die Jugendlichen sollen den Wert ihrer Jugend zu schätzen wissen und nicht vernachlässigen und gab ihnen konkrete Empfehlungen.

Auch das islamische Oberhaupt Imam Chamenei empfiehlt der heutigen Jugend, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen, sich zu bilden, Sport zu treiben und die inneren Reinheit zu erhalten und zu entwickeln.


  1. Özoguz Yavuz(2018): Debatte eines Anhängers der islamischen Befreiungstheologie mit zwei Linken ↩︎

  2. Fromm, Erich (1976): Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt. ↩︎


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