Monat Ramadan

Ramadan in der Schule: Ein fastender Schüler berichtet

Wir befinden uns nun schon seit einigen Tagen im heiligen Monat Ramadan, der Monat der Gelegenheiten, der Monat der Vernunft, der Monat der Geduld, der Dankbarkeit, der Liebe, der Monat Gottes. Und ja, auch der Monat der Enthaltung und des Fastens. In diesem Monat, indem jeder Mensch die Gelegenheit bekommt, sich Gott in der besten und schnellsten Art und Weise zu nähern, lädt der Islam die gesamte muslimische und auch nichtmuslimische Bevölkerung dazu ein, zurückzufinden zu der Moral, zum Monotheismus und zur Vernunft. Praktisch bedeutet das also: Muslime enthalten sich von vielen Dingen für einen Monat, um ihren Charakter zu vervollständigen, zur inneren Ruhe zu finden, aber vor allem, um der Liebe Gottes ein Stück näher zu kommen. Wie könnte man so etwas von Liebe geprägtes auch nur in irgendeiner Weise angreifen?

Man kann es nicht. Allerdings stört die Islamfeinde genau dieser Umstand: Die Muslime finden in diesem heiligen Monat wieder zusammen zur Besinnung und entfernen sich von den Ablenkungen, die die Unterdrücker dieser Welt den Menschen aufladen. Das können diese natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Menschen, die überzeugt sind und immer stärker an Gott glauben, nein, das will Satan sich nicht gefallen lassen und flüstert den Medien einige Ideen ins Ohr. Das Fasten angreifen, egal wie! – So lautet die Parole. Beispielhaft:

„Lehrerverband beklagt Probleme durch fastende Schüler“

„Fastende Schüler: Ramadan macht im Unterricht Probleme – welche Auswege es gibt“

„Hungern und Lernen“

„Ramadan: Probleme im Unterricht, weil mehr Schüler fasten“

Na klar, denken sich diese Journalisten, über Muslime zu schreiben, trifft sich gut. Die Bevölkerung ist noch nicht genug gespalten und die Muslime sind noch nicht verhasst genug. Dann greifen wir einfach über die Kinder an, denn jeder Mensch empfindet Mitgefühl für die unschuldigen Seelen der Kinder. Außerdem ist es die Jugend, die die Zukunft in ihren Händen hält. Und dass diese Jugend eine moralische, nicht abgelenkte, gläubige Jugend ist, versucht der Westen zu vermeiden, denn das würde bedeuten, dass die neue Jugend gegen ihr verbrecherisches und unterdrückerisches System rebellieren könnte.

Wenn ich mir einmal die „Artikel“ durchlese – die diese Bezeichnung nicht einmal verdienen, denn sie strotzen vor lauter Unwahrheiten und falscher Recherche –, fällt direkt auf, wohin diese Artikel eigentlich zielen: Angriff auf die Jugend und den Islam über die Schule, denn das ist der Ort, über den der Durchschnittsbürger am unaufgeklärtesten ist. Die Medien können theoretisch alles schreiben und der Otto-Normalverbraucher würde nichts bemerken, denn wie sollte er es selber überprüfen. Nein, er wird es auch gar nicht überprüfen wollen. Was die Medien schreiben, nimmt er hin. Überprüfen kann er es nicht und er wird es auch nicht infrage stellen.

Es ist sehr wichtig, solche Artikel mit dem Bewusstsein zu lesen, dass diese oft einen Angriff auf den Islam darstellen, denn dann kann man diese „Artikel“ um einiges aufmerksamer verfolgen und verstehen.

Nehmen wir einfach mal die aktuelle Muster-Story der Medien, die wahrscheinlich einfach vom letzten Jahr kopiert wurde:

Muslimische Kinder fasten den ganzen Tag bei starker Hitze, um ihren Eltern und Mitschülern etwas zu beweisen, bleiben deswegen zum Fastenbrechen lange wach, schlafen kaum, können sich in der Schule nicht konzentrieren, schreiben nur noch schlechte Noten und kippen am nächsten Tag aufgrund von Wassermangel um. Ernsthaft? Wer glaubt, dass das in der Praxis häufig vorkommen würde, lebt auf einem anderen Planeten. Wenn ich sowas lese, bekomme ich ja selbst als Muslim Angst vor mir und den Muslimen, obwohl ich selber einer bin, der den Ramadan als Schüler durchfastet.

Doch bevor ich noch auf die einzelnen Aspekte eingehe, muss ich noch Folgendes religionsrechtlich sehr Relevantes in Bezug auf das Thema erwähnen. Erstens: Kinder, die noch nicht die religiöse Reife erlangt haben, sind nicht zum Fasten verpflichtet. Zweitens: Menschen, die krank sind oder es ganz einfach körperlich nicht schaffen, einen Tag durchzufasten, dürfen es auch nicht.

Zu wenig Schlaf? Wie kommt das denn? In der heutigen Zeit wird es immer üblicher für muslimische Eltern, dass sie ihr Kind, wenn es unbedingt fasten will, am Wochenende fasten lassen, sodass auch späte Nächte normalerweise kein Problem darstellen, da sie so später und ausgeschlafener aufstehen können. Außerdem ist es gängig unter muslimischen Eltern, dass sie ihr Kind nur zu einer bestimmten Tageszeit fasten lassen, z. B. nur über den Nachmittag. Da diese Kleinen, um die es ja auch in den Medien geht, nicht verpflichtet sind zum Fasten, können sie wochentags doch ausgeschlafen zum Unterricht gehen. Dieses freiwillige und moderne Fastenmodell für Kinder ist schon lange eine gängige Methode für Muslime in Deutschland.

Nehmen wir die Familie mit Migrationshintergrund, auf die die Medien abzielen: Kaum integriert, kriminell, das Kind muss mit sechs Jahren fasten und wird dazu gezwungen, die Eltern wollen Sonderrechte für ihr Kind aufgrund des Fastens. Genau so sieht nämlich die Musterfamilie für alle Artikel der westlichen Medien aus. Das darf aber nicht der Maßstab sein! Ich kann jedem versichern, dass diese Kinder auch so schon um einiges später schlafen gehen als andere in deren Alter und dass das Fasten keine große Umstellung bedeutet. Aber auch an dieser Stelle wird wieder klar, dass diese „Berichte“ nichts anderes sind als Angriffe, denn die Beispiele sind immer dieselben Ausnahmen. Warum wird denn nie über die Nützlichkeit des Fastens gesprochen und die hervorragenden Leistungen, die so mancher Schüler nur durch das Fasten erzielt?

Schlechtere Leistungen? Gut, wenn ein Achtjähriger durchfastet und zu wenig Schlaf bekommt, könnte ich dieses Argument ja nachvollziehen, aber diese kleinen Kinder, die in den Medien als große Masse dargestellt werden, gibt es kaum, wenn nicht sogar gar nicht.

Nein, dieses Argument soll sich nun gegen die Jugendlichen richten. Wieso sollen die Leistungen von Jugendlichen schwächer werden? Am Schlaf kann es nicht liegen, denn vor allem während der Pubertät verändert sich der Schlafrhythmus der Jugendlichen so, dass sie dazu neigen, um einiges später schlafen zu gehen. Die Iftar-Zeit im Sommer stimmt in etwa mit den normalen Schlafzeiten der Jugendlichen überein. Aufgrund von Essen und Trinken dürften die Leistungen auch nicht relevant sinken, denn nur wenige frühstücken vor der Schule und viele trinken dort auch nicht viel. Und wer es nicht schafft, bis zum Schulende (einen Vormittag bis maximal Nachmittag) ohne Wasser auszukommen, der darf sowieso nicht fasten. Also herrschen völlig falsche Vorstellungen über die Schule und auf diese falschen Vorstellungen stützen sich diese Journalisten.

Noch ein Wort zum Gruppendruck und dem Druck der Eltern. Es ist nicht mehr als eine dreiste Lüge zu behaupten, dass viele Eltern ihre Kinder unter Druck setzen würden. Noch dreister ist die Theorie, dass junge Muslime durch den Gruppendruck ihrer Freunde fasten würden. Vielleicht trifft das in einer von tausenden Schulen auf ein Kind zu, aber in Deutschland, und da muss man ganz ehrlich sein, tritt der entgegengesetzte Fall um einiges häufiger auf. Nämlich, dass muslimische Jugendliche aufgrund des Drucks von Lehrern und Klassenkameraden auf das Fasten verzichten. Dass viele Kinder in der Schule aufgrund ihres Fastens gemobbt und gehänselt werden, wird nirgends erwähnt.

Und nehmen wir einfach an, dass Kinder ihre Eltern nachahmen und ihnen zeigen wollen, dass sie es schaffen zu fasten: Wieso sollte dies problematisch sein? Zum einen ist Erziehung die Aufgabe der Eltern – und nicht die der Journalisten. Zum anderen stellt sich die Frage, warum man hierüber überhaupt diskutieren muss. Ist es nicht etwas Wunderbares, dass es noch Kinder gibt, die an der Vernunft festhalten und versuchen, ihren Eltern im Guten nachzueifern?

Allerdings ist es auch rührselig zu beobachten, wie sich die Politik plötzlich so sehr um die Gesundheit muslimischer Jugendlicher sorgt. Besser wäre es, wenn die Politik sich erst mal um die Gesundheit von alkoholisierten Jugendlichen kümmerte, die nachweislich und nachhaltig ihre Gesundheit schädigen. Irgendwie ironisch, dass sich jedes Wochenende (und auch in der Woche) Jugendliche ins Koma saufen, aber die fastenden Kinder, die noch Hoffnung und Glauben an etwas haben, die ihre Moral nicht verkauft haben, zum Problem werden. In was für einer kranken Gesellschaft leben wir? Sollten wir also nicht lieber eine neue Debatte in Deutschland beginnen und über das Verbot von Alkoholkonsum diskutieren? Die Kinder wollen es ihren Eltern gleichtun und viele nippen schon mit sechs Jahren am ersten Glas und geben damit stolz vor ihren Klassenkameraden an, die sich dann auch genötigt fühlen gleichzuziehen. Mit zunehmendem Alter steigt auch die Nachahmung der Eltern und der Konsum steigt ins Unermessliche. Gruppendruck spielt dann auch eine Rolle.

Wie vielleicht einige der Leser wissen, bin ich selbst Schüler. Ich kann daher besser als andere beurteilen, wie es sich anfühlt, als Schüler zu fasten.

Durch die Zeit des Fastens und der Gotteshingabe werden die Sinne geschärft, meine Konzentration ist in dieser Zeit um einiges höher, denn ich versuche jede gute Gelegenheit mitzunehmen und alles Schlechte links liegen zu lassen. Genau auch deshalb ist das Lernen für Klausuren ebenso wie das Weiterbilden, welches aus islamischer Sicht eine wichtige Sache darstellt, in diesem Monat etwas sehr Lohnenswertes. Kein Handy, kein Fernseher, kein übermäßiger Konsum, keine unnötigen Gespräche lenken mich vom Lernen ab. Aber nicht nur, dass meine schriftlichen Noten sich bessern. Nein, auch mein Mündliches wird stetig besser, denn ich achte mehr auf meine Worte.

Doch nicht nur, dass ich meine Leistungen in der Schule stark verbessere, nein, durch das Fasten erreiche ich auch sportlich meine Höchstform. Gut, die ersten drei Tage ist man lasch, danach jedoch ist man in bester körperlicher Verfassung für den ganzen Monat! Und wenn mir jetzt ein Nichtfastender einwerfen will, dass das unmöglich sei, bitte ich ihn erst dann zu reden, wenn er es selber probiert hat. Es ist lustig zu sehen, dass die Leute, die am wenigsten dem Fasten nahekommen und eigentlich keine Ahnung haben, was es bedeutet zu fasten, es am stärksten kritisieren.

Und wieso funktioniert das alles so gut? Weil ich es, so Gott will, aus Überzeugung tue, denn ein Fasten ohne Überzeugung ist kein Fasten. Ein Fasten, bei dem man aus Gruppendruck fastet oder zu dem die Eltern einen zwingen, gibt es fast nur in Journalisten-Fantasien.

Falls der Leser noch wissen will, wie es bei mir und vielen meiner Freunde als kleines Kind ablief: Ich durfte als Kind am Wochenende auch schon mal den ganzen Tag fasten. In der Woche habe ich Süßigkeitenfasten gemacht. Viele machen das so. Andere Eltern hingegen lassen ihre Kinder auch überhaupt nicht fasten im Kindesalter.

Aktuell gibt es in der deutschen Politik eine großen Gier nach einem Fastenverbot für Kinder und Jugendliche. Nur wer maßt sich denn schon an, über Gottes Wort richten zu wollen? Warum bestraft man Kinder, die noch einen Glauben haben? Nur weil ihr keinen mehr habt? Was ist das für ein Gefühl, das in der Gesellschaft entstanden ist, dass man den Islam einschränken müsse mit Gesetzen.

Das ist der Verdienst der Medien und ich appelliere an alle freien Bürger dieses Landes, dass Sie Ihre Gefühle zu beobachten und zu kontrollieren lernen, und nicht auf diese Fallen, die Ihnen gestellt werden, reinfallen sollten. Lassen Sie die Trennung nicht zu, die gewisse Machtkreise wünschen, und zeigen Sie in Zukunft ein wenig mehr Verständnis für Ihre muslimischen Mitbürger, auch wenn diese etwas jünger sein sollten.


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