„Gott der Erhabene hat unseren sehr geschätzten Bruder, Herrn Soleimani, dankenswerterweise gesegnet. Er hat sein Leben immer und immer wieder den Angriffen des Feindes ausgesetzt und dies auf dem Weg Gottes getan, für Gott und nur um Gottes willen.

Und er hat große Anstrengungen unternommen. Ich hoffe, dass Gott der Erhabene ihn belohnt und segnet, dass er ihm hilft, ein glückseliges Leben zu führen und dass er sein Ende durch das Martyrium prägt. Natürlich nicht so bald. Die Islamische Republik wird seine Dienste für viele Jahre brauchen. Aber ich hoffe, dass seine Dienste in einem Martyrium gipfeln, so Gott will. Ich hoffe, dass dies eine verheißungsvolle Auszeichnung für Sie sein wird, so Gott will.“

Mit diesen Worten ehrte Imam Chamenei General Hadsch Qassem Soleimani im März 2019 und überreichte ihm die Zhulfiqar Ehrenmedaille.[1] Sie ist die höchste militärische Auszeichnung des Landes und wurde nach der Islamischen Revolution noch nie zuvor verliehen.[2] Weniger als ein Jahr später erlangt Qassem Soleimani nach einem terroristischen Anschlag der US-Regierung das Martyrium.

Imam Chamenei verleiht Qassem Soleimani die Zhulfiqar-Ehrenmedaille

Wer war der Mann, den Imam Chamenei einst den lebenden Märtyrer der Revolution nannte? Wir widmen dieser großen Persönlichkeit diese kleine Zusammenfassung seiner Biografie und kondolieren und gratulieren dem Revolutionsoberhaupt Imam Chamenei anlässlich des Martyriums von General Hadsch Qassem Soleimani.

Imam Chamenei in einem Gespräch mit Qassem Soleimani

Qassem Soleimani gilt als einer der berühmtesten Generäle unter dem Kommando des Statthalters der Rechtsgelehrten seit Gründung der Islamischen Republik Iran. Er ist am 11. März 1957 in Rabor (Kerman) in einer armen Bauernfamilie geboren und erlangte später die Hochschulreife. Er hat aktiv an der Islamischen Revolution mitgewirkt und ist nach dem Sieg der Islamischen Revolution frühzeitig den Pasdaran[3] beigetreten. Während des aufgezwungenen und von nahezu allen westlichen Staaten unterstützten irakischen Krieges gegen den Iran, der 1980 begann und acht Jahre dauerte, wurde Schahid[4] (Märtyrer) Soleimani nach Susangerd im Südwesten des Landes verlegt, wo seine Einheit bei ihrem ersten Einsatz den einfallenden Feinden erheblichen Schaden zufügen konnte und zum Rückzug zwangen.

Allmählich erwies er sich als geschickter Befehlshaber und führte iranische Truppen der 41. Tharallah Division[5], die im Süden des Landes stationiert war, in zahlreichen Kämpfen gegen die Streitkräfte des Baath-Regimes an. Auch hier erzielte er große Erfolge und genoss das Ansehen seiner Soldaten. Das iranische Militär erkannte seine Talente und er wurde in den darauffolgenden Jahren bis in den Rang des Generalmajors befördert. Im Jahr 1998 wurde ihm das Kommando der Quds-Einheit anvertraut, einer Spezialeinheit der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC).

Qassem Soleimani bei einer Ansprache vor Soldaten

Im Westen hat Schahid Soleimani erst in den letzten Jahren durch seinen beispiellosen Einsatz gegen die von den USA etablierten Terroristen des IS[6] an Bekanntheit gewonnen. Als dieser sich in Syrien und Irak ausbreitete und geografisch wichtige Orte besetzte, erwies sich der IRGC-Kommandeur als ein wichtiger Stratege, der iranische Militärberater anführte und die syrischen und irakischen Truppen im Kampf gegen die Terroristen unterstützte.

Nach einem Anschlag auf den syrischen Verteidigungsminister im Juli 2012 bat die syrische Regierung den Iran offiziell um Unterstützung. Kurz darauf landete Schahid Soleimani mit weiteren militärischen Beratern in Damaskus. Zu diesem Zeitpunkt hatten der IS und andere vom Westen und seinen Verbündeten unterstützte Terrorgruppen gute Aussichten auf einen Einmarsch in die syrische Hauptstadt Damaskus. Unter seiner Führung gelang es der syrischen Armee, mit Unterstützung der Hisbullah, die Terroristen in kurzer Zeit zurückzudrängen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist er den USA verhasster denn je geworden. Schahid Soleimanis regelmäßige Präsenz an den Fronten führte bei den Soldaten und im Volk zu großer Beliebtheit. Sein Mut verlieh einer vermeintlich besiegten Armee neue Stärke. Seine taktischen Erfolge beflügelten sie. Nach einer großen Militäroffensive gelang es der syrischen Armee, das von Terroristen belagerte Aleppo im Dezember 2016 zu befreien. Der Stratege hinter dieser Militäroffensive: General Hadsch Qassem Soleimani.

General Qassem Soleimani im Norden Iraks, Mai 2017

Auch im Irak stand die US-Terrormiliz IS kurz davor, die Hauptstadt des Landes Bagdad einzunehmen. Und auch dort wurden durch Schahid Soleimanis Wirken die Pläne der USA immer wieder aufs Neue zerschlagen. Im Januar 2015 unterstütze er die irakische Regierung bei der Eroberung der strategisch wichtigen Öl-Region Tikrit. In einer Militäroffensive zur Befreiung der im Osten Syriens liegenden Stadt Al-Bukamal, an der Grenze zum Irak, plante er die Offensive mit dem Codenamen Fadschr-3 und übernahm persönlich das Kommando. Bei dieser Offensive wurde die besetzte Stadt durch syrische Einheiten im Norden und irakische Einheiten im Süden eingekreist und die Terroristen des IS besiegt.[7]

Ein Augenzeuge berichtet von seiner Sorge um die Sicherheit von Qassem Soleimani während dieser Operation: „Ihr hättet ihn in Syriens Al-Bukamal sehen sollen. Das Gefecht hatte seinen Höhepunkt erreicht. Es herrschte Nahkampf und er war nur wenige Meter davon entfernt. […] Bei einer Gelegenheit schaute ein Hisbullah-Kämpfer zu den Feinden und dann zurück zum Hadsch (Soleimani), dem seine Sicherheit gleichgültig schien.“[8]

Die Befreiung der Stadt Al-Bukamal war Schahid Soleimanis letzter Einsatz. Der IS war endgültig geschlagen. Die USA und Israel mussten hilflos mitansehen, wie unter der Führung dieses weitsichtigen Denkers ein Versorgungskorridor vom Iran über Irak, Syrien bis in den Libanon gesichert wurde.

Nach zahlreichen Einsätzen und Jahren der Aufopferung, in denen Schahid Soleimani regelmäßig die Kriegsfronten in Syrien und Irak besuchte, gratulierte er im November 2017 Imam Chamenei zum Sieg über die von den USA etablierte Terrormiliz IS und zur Zerschlagung der amerikanischen Ziele in der Region. Jahrzehnte der Planung, Geheimdienstinformationen aus aller Welt, gewaltige Vermögen des Westens und Saudi-Arabiens und eine mediale Propaganda-Maschinerie haben nichts genützt. Die Pläne der USA und Israels, die jene für die Region geschmiedet hatten, gingen für sie nach hinten los. Mit der Zerschlagung des IS stand Schahid Soleimani nun endgültig im Fadenkreuz der USA.

Schahid Qassem Soleimani bei einem Bittgebet

Die Menschen im Libanon kennen diesen herausragenden Menschen jedoch nicht erst seit seinem Einsatz gegen den IS. Bei der Verteidigung des Libanons gegen die Aggressionen Israels hat Schahid Soleimani die Widerstandsbewegung Hisbullah bereits in ihren Anfängen unterstützt. Strategisch hat er eng mit dem Märtyrer Imad Mughniyya[9] zusammengearbeitet. Gemeinsam haben sie viele Operationen geplant und koordiniert, die letztendlich Israel zur Aufgabe ihrer Besatzung des Südlibanons zwangen.

In den darauffolgenden Jahren half er dabei, die Hisbullah zu einer Eliteeinheit zu formen. Moralisch hat er die Hisbullah unter anderem damit unterstützt, dass er ihnen die Botschaften Imam Chameneis persönlich überbrachte. Auf diese Weise stärkte er nicht nur die Moral der Soldaten, sondern des gesamten libanesischen Volkes. Und aller Muslime weltweit. Seine besondere Rolle im 33-Tage-Krieg im Jahr 2006 ist erst durch ein kürzlich mit ihm geführtes Interview bekannt geworden.[10]

Am ersten Tag des Krieges (2006) war Schahid Soleimani in Syrien und machte sich unmittelbar auf den Weg in den Libanon und blieb auch dort. Nach einer Woche reiste er zurück in den Iran, um über die Geschehnisse zu berichten. Laut eigener Aussage überbrachte er, basierend auf seiner langjährigen militärischen Erfahrungen, eine bittere Einschätzung der Lage mit wenig Hoffnung auf einen Sieg. Imam Chamenei schrieb einen Brief an Sayyid Hassan Nasrullah und ließ ihn durch Qassem Soleimani überbringen. Obwohl ihm vonseiten der Hisbullah davon abgeraten wurde, während der massiven Bombardierung den Weg über Syrien nach Beirut zu suchen, bestand Schahid Soleimani darauf, den Brief persönlich an Sayyid Hassan zu übergeben. Er blieb im Libanon und half dabei, die Hisbullah siegreich aus dieser Schlacht hervorgehen zu lassen. So wie Imam Chamenei es in seinem Brief angekündigt hatte.[11]

In seiner Ansprache anlässlich seines Martyriums am vergangenen Sonntag pries Sayyid Hassan Qassem Soleimanis jahrzehntelange Aufopferung. Er wies darauf hin, dass jede Widerstandsbewegung ihren Erfolg dem ehrenwerten Schahid Soleimani zu verdanken habe: „Qassem Soleimani war kein beliebiges oder zufälliges Ziel. Überall haben sie [die USA] ihn gesehen; im Irak, in Syrien, im Libanon, in Palästina, Gaza, im Jemen, in Afghanistan. Überall, wo sie sind, tauchte Soleimani auf.“[12]

Schahid Qassem Soleimani mit Sayyid Hassan Nasrullah

In vielen Medien wurde über die Ermordung des ehrenwerten Generals positiv berichtet. Besonders die Axel-Springer-Presse sah in diesem völkerrechtlichen Verbrechen eine lobenswerte Tat und titelte: „Trump hat die Welt von einem Monster befreit“.[13] Auch die Bundesregierung verurteilte diese Tat nicht. Viele Politiker drückten ihr Verständnis für das Vorgehen der USA aus und der Außenminister Heiko Maas rechtfertigte die Tat mit einer angeblichen Reihe gefährlicher Provokationen Irans.

Imam Chamenei kündigte schwere Vergeltung für das Blut des ehrenwerten Generals Qassem Soleimani an.[14] Fünf Tage nach dem Martyrium Soleimanis feuerten die iranischen Revolutionsgarden mehre Boden-Boden-Raketen auf amerikanische Militärbasen im Irak.[15] Laut Imam Chamenei war dies nicht mehr als eine Ohrfeige.[16]

Imam Chamenei leitet das Totengebet für die verstorbenen Märtyrer des Anschlags

Bei seinem Martyrium war Schahid Soleimani mit der Aufgabe betraut, ein Antwortschreiben auf eine vorangegangene Botschaft aus Saudi-Arabien an den Iran zu übergeben. Vermittler dieser trilateralen Friedensgespräche war der irakische Premierminister Abdul-Mahdi. Der ehrenwerte General Qassem Soleimani war zum Zeitpunkt seines Martyriums auf dem Weg zu einem Treffen mit dem Premierminister, um ihm diesen Brief zu übergeben.[17]

Auf den ehrenwerten Schahid Soleimani folgt der Brigadegeneral Ismail Qaani. Es ist die Eigenart solcher Persönlichkeiten, dass ihre Heldentaten erst nach ihrem Martyrium bekannt werden. Im Fall von Schahid Soleimani wird es nicht anders sein und wir werden in den nächsten Jahren viele faszinierende Geschichten über ihn hören. Sein Leben und sein Tod sollten uns alle anspornen, demütiger, dankbarer und fleißiger zu sein.


  1. http://www.eslam.de/begriffe/d/dhul-fiqar-orden.htm ↩︎

  2. http://english.khamenei.ir/news/6518/Imam-Khamenei-s-statements-when-awarding-Major-General-Soleimani ↩︎

  3. http://www.eslam.de/begriffe/p/pasdaran.htm ↩︎

  4. Der Begriff Schahid ist im Arabischen gleichbedeutend mit Zeuge. Ein Märtyrer bezeugt durch sein Martyrium die Wahrheit. ↩︎

  5. Die 41. Tharallah Division war eine Spezialeinheit der Pasdaran in der Islamischen Republik Iran. ↩︎

  6. http://english.khamenei.ir/news/5967/The-U-S-s-claims-about-fighting-terrorism-are-really-ludicrous ↩︎

  7. https://en.wikipedia.org/wiki/2017_Abu_Kamal_offensive ↩︎

  8. https://www.english.alahednews.com.lb/51139/498 ↩︎

  9. http://www.eslam.de/begriffe/m/mughniyya_imad.htm ↩︎

  10. http://english.khamenei.ir/news/7074/Untold-facts-on-Israel-Hezbollah-war-in-an-interview-with-Major ↩︎

  11. http://english.khamenei.ir/news/7057/Imam-Chamenei-s-secret-letter-delivered-to-Hezbollah-by-General ↩︎

  12. https://unserislam.wordpress.com/2020/01/06/auszuege-aus-der-rede-des-generalsekrtaers-der-hisbollah-sayyed-hassan-nasrallah-vom-05-01-2019-zum-maertyrium-von-qassem-soleimani-und-abu-mahdi-al-mohandes/ ↩︎

  13. https://www.bild.de/politik/kolumnen/kolumne/usa-toeten-irans-terror-chef-bild-kommentar-trump-hat-die-welt-von-einem-monster-67073674.bild.html ↩︎

  14. https://offenkundiges.de/schwere-vergeltung-erwartet-die-verbrecher-imam-chameneis-botschaft-zum-martyrium-qassem-soleimanis/ ↩︎

  15. https://www.presstv.com/Detail/2020/01/08/615635/Iran-revenge-Soleimani-80-US-forces-killed ↩︎

  16. https://www.presstv.com/Detail/2020/01/08/615644/Iran-Leader-address-IRGC-revenge-Soleimani ↩︎

  17. https://www.independent.co.uk/voices/qassem-soleimani-death-iran-baghdad-middle-east-iraq-saudi-arabia-a9272901.html#comments ↩︎