Gewalttätige Aufmärsche einiger hundert Iraner lassen deutsche Journalisten jubeln. Geblendet von ihrem Wunsch nach einem regime change unterlaufen ihnen bei ihren Titelbildern entlarvende Verwechslungen.

Wenn ein Berufsjournalist nach einem Titelbild sucht, prüft er es gewissenhaft: Ist es authentisch, passt es zu seinem Artikel? Leider haben wir es in weiten Teilen der deutschen Presse nicht mit Berufsjournalisten dieser Art zu tun, sondern mit Stümpern oder Propagandisten – und das betrifft keineswegs nur die Springerpresse. Anders sind die folgenden Titelbilder der letzten Tage nicht zu erklären.

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Nicht mehr zu stoppen seien die Proteste der Tausenden, meint die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Das Titelbild zeigt in der Tat einen Demonstrationszug bis zum Horizont. Sogar etliche Frauen im schwarzen Tschador erkennt der FAZ-Schreiber auf den ersten Blick. Auch die religiöse Schicht demonstriert gegen die Mullahs, denkt er. Auf den zweiten Blick hätte er aber erkennen müssen, dass die Demonstranten hunderte Plakate von Imam Chamenei hochhalten.

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Hätte er einen Arabischsprachigen hinzugezogen, wäre ihm zudem die grüne Fahne mit der Aufschrift „labbayk ya chamenai“ aufgefallen. Zu Deutsch: „Hier sind wir, o Chamenei“ – eine berühmte Unterstützungsparole.

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Der Spiegel begeht denselben Fehler:

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Obwohl das Bild unscharf ist, erkennt man wieder die Plakate mit Imam Chamenei.

Zahlreiche weitere Beispiele finden sich in deutschen Medien. Sind die Kollegen aus Österreich weniger von ihrem Wunschdenken beeinflusst? Leider nicht.

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Die Iraner begehren auf, behauptet die Wiener Zeitung. Dabei halten sie Plakate von Imam Chamenei hoch sowie Plakate der Aufschrift „Nieder mit Israel“.

Der Kurier treibt es auf die Spitze:

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Tod den Taliban also, womit insbesondere Imam Chamenei gemeint sei. Damit es keine Missverständnisse gibt, strecken die regimekritischen Protestler massenhaft sein Bild in die Höhe. Außerdem rufen sie mit grünen Flaggen nach dem Mahdi („O Mahdi, hilf mir“), auf dass der Mahdi sie von dem Regime erlöse und ihnen einen säkularen Staat nach amerikanischem Vorbild schaffe. Ein gewissenhafter Redakteur hätte dem Kurier diese Peinlichkeit ersparen können.

Die Springerpresse mit ihrem Online-Chefredakteur Julian Reichelt sowie die Öffentlich-Rechtlichen tappen in dieselbe Falle der eigenen Propaganda:

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Reichelt beschwert sich über den seinem radikal-zionistischen Weltbild nach zu Trump-kritischen Titel des Deutschlandfunks. Er hätte sich über das falsche Titelbild des steuerfinanzierten Senders beschweren können.

Am Mittwochmorgen, 3. Januar, veröffentlichte der Deutschlandfunk erneut einen Artikel zu den angeblich nicht abreißenden Protesten und dem Ruf nach Unterstützung. Das Titelbild zeigt eine der vielen Großdemos der Iraner gegen die gewalttätigen Unruhen im Land.

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Auch Kenneth Roth, seit 24 Jahren Geschäftsführer der amerikanischen Propagandainstitution Human Rights Watch, konnte der Verführung nicht widerstehen.

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Nachdem sich einige Iraner in Twitter über Roth lustig gemacht hatten, löschte er seinen Tweet kommentarlos.

Warum werden die Fotos von den Demonstrationszügen so oft verwechselt? Weil es nur von einer Seite Demonstrationszüge gibt. Von den gewalttätigen Protestlern gibt es kaum bessere Fotos als dieses hier:

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Wenn man die Bevölkerung nicht informieren, sondern indoktrinieren möchte, greift man zum besseren Bild. Wer auf dem Foto gegen wen demonstriert, spielt für viele Redakteure keine Rolle – halten sie doch den deutschen Leser für unfähig, den Unterschied zu erkennen. Eindrucksvollere Demonstrationsbilder aus dem Iran gibt es inzwischen unzählige (siehe unten), denn am Mittwochvormittag demonstrierten Millionen Menschen im ganzen Land gegen die Gewalttäter. Wir erwarten die Bilder in den deutschen Medien unter dem Titel „Millionen Iraner rufen die USA um Beistand“.

Und nicht vergessen: Die Demonstranten pro Islamische Republik sind stets gekauft, wie wir in Twitter von Experten erfuhren.

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