Veranstaltung, Buchbesprechung

Muslimischer Verleger in Frankfurt: Meine Buchmesse 2018

Sind die Identitären um Götz Kubitschek[1], der als Vordenker der AfD gilt, wirklich die Rassisten, als die sie manche Journalisten porträtieren? Die Reportagen über das IZH und den Islamischen Weg lehrten mich, nicht auf Meinungen von Reportern zu vertrauen, sondern mir selbst ein Bild zu machen.

Und so nutzte ich meinen Besuch am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse, um mir den Verlag Antaios von Kubitschek anzuschauen, der sich dieses Jahr als Loci-Verlag tarnte, um nicht zu den anderen Rechten an den Katzentisch der Messe verwiesen zu werden, auf den er keinen Bock habe, wie Kubitschek sagte. Der Stand war zu gut besucht, als dass ich ein ernsthaftes Gespräch mit den freundlichen Jungs führen konnte, daher vertiefte ich mich in die ausgestellte Literatur. Darunter das Büchlein Rassismus, das den wahren heutigen Rassismus in der Erniedrigung der weißen Rasse und die Leugnung der Rassenlehre an sich sieht und die Rückführung der Immigranten in deren Heimatländer fordert – ein Mantra in jedem ausgestellten Buch an diesem Stand. Schicksalsfrage Identität beschwört den Verlust des Deutschseins und sucht die verlorene Identität in der Abgrenzung gegenüber Ausländern und dem verzweifelten Versuch, auf Philosophen der Vorkriegszeit zurückzugreifen, vor allem auf Heidegger. Ein Büchlein von Martin Sellner, österreichischer Identitärer, widmet sich allein seiner Philosophie. Überhaupt ist Martin Heidegger der zentrale Philosoph der neuen Rechten. Er war begeisterter Nationalsozialist und engagierte sich in der NSDAP als Rechtsphilosoph.

Auch das offen islamfeindliche Buch von Sarazzin wird vom Antaios-Verlag beworben, obwohl erschienen im Finanzbuchverlag. Der Fairness halber: Ich habe nicht mit ihnen gesprochen, sie nicht nach ihren Ansichten befragt. Aber gemessen an ihren ausgestellten Büchern lässt sich die Eingangsfrage klar beantworten: Ja, die neuen Rechten und Identitären sind Rassisten.

Für Rassisten bin ich nicht zur Buchmesse gekommen. Als Verleger von Eslamica fahre ich jedes Jahr nach Frankfurt. Neuste Trends bewerten, Inspirationen erlangen und mit anderen Verlegern reden, Eslamica bewerben und im Idealfall neue Bücher für Eslamica einkaufen.

Dr. Yavuz Özoguz und Sayyid Amer über Tuhaf al-Uqul
Dr. Özoguz und Sayyid Amer über Tuhaf al-Uqul
Neef und Pietsch über Mulla Sadra
Neef und Prof. Pietsch über Mulla Sadra

Dieses Jahr gab es ein Novum: Gleich fünf Bücher von Eslamica wurden auf einem Podium der Buchmesse mit geladenen Gästen jeweils eine halbe Stunde lang vor kleinem Publikum besprochen. Organisiert wurde die Veranstaltung von dem Kulturrat der Islamischen Republik Iran in Berlin, Sayyid Ali Moujani. Die vorgestellten Bücher sind in Kooperation mit der Kulturabteilung erschienen, Sayyid Moujani ist selbst Autor von zweien unserer Bücher.

Dreiergespräch über ISIS
Übersetzer Yakup Kilic, Autor Sayyid Moujani, Neef, Prof. Steinbach und Dr. Ogger über Moujanis Buch ISIS
Neef und Özoguz über Jerusalem
Neef und Dr. Özoguz über Jerusalem

Dr. Yavuz Özoguz diskutierte mit dem Übersetzer Sayyid Mohamed Amer über das Werk Tuhaf al-Uqul und die schiitische Überlieferungstheologie, Volker Taher Neef befragte Prof. Roland Pietsch über das in Kürze erscheinende Werk von Mulla Sadra und die islamische Philosophie, Neef moderierte auch das Gespräch von Prof. Udo Steinbach, Dr. Thomas Ogger und Sayyid Moujani über Moujanis neustes Werk ISIS, ich durfte dem Publikum mit Prof. Pietsch die Elegie von Aschura und die Kunst der persischen Miniaturen im Werk Märtyrer aus Liebe nahelegen und abschließend diskutierten Neef und Yavuz Özoguz die Bedeutung von Jerusalem für die Muslime in der Geschichte und heute. Das Ganze geschah jeweils vor 30 bis 60 Zuschauern. Insbesondere nach dem Kurzvortrag von Özoguz über Jerusalem gab es einigen Gesprächsbedarf im Publikum.

Prof. Pietsch und ich über Martyrer
Huseyin Özoguz und Prof. Pietsch über Märtyrer aus Liebe

Damit war mein erstes Tagessoll erfüllt. Mein zweites Ziel waren Kooperationen mit iranischen Kinderbuchverlagen, denn deren Illustrationen gewannen internationale Preise. Vier sehr intensive Gespräche später hatte ich zig Bücher und vier unterzeichnete Verträge in der Tasche, Gott sei Dank.

Iranischer Kinderbuchverlag
Gleich ein halbes Dutzend iranischer Kinderbuchverlage war auf der Buchmesse vertreten

Schließlich hatte ich die Freude, einen syrischen Verleger aus Schweden kennenzulernen und mich von ihm zum Thema Mushaf-Druck und vektorisierte Koranverse beraten zu lassen. Die Expertise und Offenheit dieses jungen Mannes hätte ich mir von allen Gesprächspartnern in Frankfurt gewünscht, denn oftmals schicken die Verlage nicht ihre Experten, sondern Marketingkräfte und Verkäufer zur Messe. So konnte die Dame vom Duden nicht auf meine technischen Fragen und Vorschläge zur Rechtschreibprüfung eingehen und verwies mich auf den technischen Support.

Fachleute hatte aber der Alevi-Verlag zu bieten, mit dem wir als Eslamica schon seit Jahren im Buchvertrieb kooperieren. Die Kollegen glänzten mit Kenntnissen über das Alevitentum und die Realitäten der Aleviten in Deutschland, während die meisten Schiiten in irriger Annahme davon ausgehen, dass Aleviten keine Muslime sind. Nichts könnte ferner liegen.

Die Volksmunafiqien in ihrem Zelt auf dem Freigelände und ihren Schildern „Iranische Opposition“ durften auch nicht fehlen. Dieses Jahr hatte ich keine Lust, sie auf ihre verquere Sprache ihres Flyers aufmerksam zu machen. Ebenso verzichtete ich dieses Jahr auf die überteuerten Pommes und machte mich abends, nach einem langen und mit Gottes Segen erfolgreichen Messetag, auf die beschwerliche Bahnreise zurück nach Delmenhorst.

Und beschwerlich sollte sie werden, denn es ist die Deutsche Bahn. Und bei der gilt: Sie bietet zu wenige Fahrkartenautomaten, sodass sich zur Buchmesse lange Schlangen bilden. Die Züge fahren nicht pünktlich. Und wenn sie doch pünktlich fahren, dann fahren sie von einem anderen Bahnsteig als geplant, worüber man erst Minuten vor Abfahrt informiert wird. Und wenn sie vom richtigen Bahnsteig losfahren, dann zeigt die blaue Tafel einen anderen Zug an. Verwirrte Messebesucher überall.

Ich freue mich auf die Messe nächstes Jahr. Mit neuen Büchern von Eslamica, inschallah neuen Partnern und mit einer nicht zu Tode optimierten Deutschen Bahn.


  1. Selbstporträt von Kubitschek auf seiner Verlagsseite. ↩︎


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Huseyin Özoguz

Verleger bei Eslamica / E-Mail: huseyin.oezoguz@offenkundiges.de
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