AfD, Liberalismus

Muslime gründen Vereinigung in der AfD

Muslimische Mitglieder der AfD haben eine Vereinigung innerhalb ihrer Partei gegründet. Der Zusammenschluss erfolgte am vergangenen Montag in Berlin während einer innerparteilichen Sitzung. Gerade mal zwanzig muslimische Mitglieder der Partei sorgten für das weltbewegende Ereignis. Die Vorsitzende der Vereinigung, Ayran Ateş, sprach von einem „historischen Tag für die ganze Nation“. Schon vor der offiziellen Gründung hatte es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der islamischen Dachverbände harsche Kritik gegeben. Die Vereinigung passe nicht zum antimuslimischen Kurs der AfD, monierte etwa Adnan Mazdek, Sprecher des größten deutschen Dachverbandes.

Die zwanzig AfD-Muslime verteidigten ihr Vorgehen und wehrten sich in einer anschließenden schriftlichen Erklärung gegen die Vorwürfe aus allen Richtungen. Die AfD habe nichts gegen den Islam oder gegen Muslime, sie kritisiere lediglich extremistische Positionen, heißt es im Papier. Extrem seien Muslime, die auf der Arbeit beten oder ihren Kindern verbieten, Schweinefleisch zu essen. Davon gebe es leider zu viele in Deutschland. Noch extremer seien Frauen, die ein Kopftuch tragen, weil sie sogleich als Muslime erkannt würden, heißt es weiter.

Wie schädlich islamische Normen vor allem für die Integration sind, weiß der stellvertretende Vorsitzende der neuen Vereinigung, Mohammed Abdul Samed. In einem Interview erklärte er: „Betende Muslime, Schweinefleisch-Verweigerer und Kopftuchfrauen behindern die Integration und müssen dringend abgeschoben werden.“ Erst kürzlich veröffentlichte der Deutsch-Ägypter ein Buch, in dem er vor einem zu sanften Umgang mit Muslimen in Deutschland warnt. „Das kann schnell zum Weltuntergang führen“, heißt es gleich auf der ersten Seite.

Sameds Worte ergänzen die Punkte auf dem Schreiben, in dem auch die Gründe für die Etablierung der neuen Gemeinschaft genannt werden. Für die AfD-Muslime waren vor allem zwei Gründe ausschlaggebend: Zum einen stärke die AfD den liberalen Islam. Nur der habe nach Ansicht der AfD-Muslime eine Zukunft in Deutschland. Bereits Tage vor dem Zusammenschluss hatte die Vorsitzende der muslimischen Vereinigung, Ayran Ateş, das Islamverständnis deutscher Muslime kritisiert. Sie würden sich zu eng am Koran orientieren, ihn als das Wort Gottes betrachten. Dies sei falsch und zu radikal. Besser sei es, nur die Verse zu akzeptieren, die mit der westlichen Lebensweise übereinstimmten. Alle anderen müssten für ungültig erklärt werden, bemerkte sie hartköpfig.

Neben der Stärkung des liberalen Islam ist es die Haltung zur Einwanderung, die großen Zuspruch findet. Die AfD ist gegen eine Einwanderung aus dem islamischen Kulturkreis. Ateş, obwohl selbst Muslima, findet das richtig. „Je mehr Muslime nach Deutschland kommen, desto schwieriger haben es liberale Muslime, sich durchzusetzen.“ Richtig sei es daher, die Einwanderung von Muslimen zu unterbinden.

Dass es unter der Partei auch Rassisten gibt, sehen die AfD-Muslime gelassen. Das würde die jammernden Muslime zwingen, sich der deutschen Leitkultur zu unterwerfen. Fehlende Unterwerfung, das sei ja letztlich die Mutter aller Probleme. Die Muslime müssten sich den Deutschen anpassen, dann gebe es auch weniger Beschwerden von unserer Führungsspitze, betonten die Gläubigen. Außerdem hätten auch AfD-Politiker ein Recht auf Meinungsfreiheit.

Nicht nur die Dachverbände, auch viele Politiker empörten sich über die neu gegründete Vereinigung. Eine Allianz zwischen Muslimen und Islamgegnern würde langfristig nicht funktionieren, sagte Stefan Weibert, ein Sprecher der Bundesregierung. Andere sprachen von einer PR-Strategie der AfD, um ihr schlechtes Image reinzuwaschen. Von diesen Anschuldigungen will der religiöse Abdel-Fakim Nourghi, ebenfalls Mitglied der Vereinigung, nichts wissen. Der unter AfD-Kreisen als islamischer Luther gefeierte Querdenker wehrte sich gegen die Vorwürfe. Man müsse seinen Überzeugungen treu bleiben, ganz gleich, wie stark es Kritik hagele. Das zeichne einen echten Reformer aus, sagte er in einem Interview, ohne dabei auf sich selbst zu zeigen.

Rückendeckung erhalten die liberalen Muslime auch von Beatrice von Schuhschnabel. Die Fraktionsvorsitzende der AfD gab kürzlich bekannt, sie könne sich sogar eine Gemeinschaft von Hindus und Buddhisten innerhalb der Partei vorstellen. Die einzigen Voraussetzungen seien Gehorsam und der Kampf gegen Migranten.

Ateş, Samed und Nourghi sowie die restlichen AfD-Muslime haben verstanden, wie man sich der Partei fügen kann. Sie sind stolz und glücklich, ein Teil der AfD zu sein und gleichzeitig ihren Islam bewahrt zu haben. Mit einem Glas Sekt wollen sie am kommenden Wochenende auf diesen Triumph anstoßen.


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Ahmad Abbas

Lehramtsstudent an der Uni Oldenburg / E-Mail: ahmad.abbas@offenkundiges.de