Dass Religion ein Rauschmittel sei, ist eine widersinnige Behauptung säkularer, weltlich denkender Menschen. Religion bedeutet Bewusstsein, Aufmerksamkeit, Wachsamkeit, Selbstbefragung und Gewissenhaftigkeit in jeder Tat, jedem Wort und jedem Gedanken. Das ist nicht der Zustand eines Rauschgiftsüchtigen.

Der Mensch begründet als Geschöpf Gottes seine Würde. Er gehört zum Gesamtplan der göttlichen Vorsehung. Allah bietet dem Menschen seine Barmherzigkeit an, damit er sein Leben in Liebe und Barmherzigkeit zu seinen Mitmenschen gestalten kann. Die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar. Denn jeder Mensch trägt Allahs Geist in sich. Dies begründet die Veranlagung des Menschen, sein Leben auf Allah hin auszurichten und als Teil der Schöpfung am Leben teilzuhaben, also eine direkte Beziehung zu Allah aufzubauen. Dadurch wird der Mensch in die Barmherzigkeit Allahs aufgenommen. Der fromme Mensch ist nach Allahs Heilsplan der in Allah zurückgekehrte Mensch. Daher spricht der Koran von der Rückkehr zu Allah nach dem Tod.1

Jedoch sollte sich der Mensch aus Liebe und freiem Willen für die Gemeinschaft mit Allah entscheiden. Denn nur in freier Entscheidung zum Islam, kann man Allah erfahren.

„Sage (zu ihnen, o Gesandter): „Wenn ihr Gott wahrhaft liebt, so folgt mir; dann wird Gott euch lieben und euch eure Sünden vergeben. Gott ist vergebend, barmherzig.“ (Koran, 3:31)

Der Menschheit wurde die höchste Stellung eingeräumt, und deshalb wird von ihr erwartet, dass sie die Liebe Allahs zu seinen Geschöpfen erwidert. Das schließt insbesondere die Liebe Allahs zu jenen Menschen mit ein, die ihn anerkennen und ihm Liebe entgegenbringen, indem sie ihre Mitmenschen Lieben. Die Liebe zu Gott ist die Essenz aller Dinge, die reinste und ungetrübte Quelle aller anderen Formen der Liebe. Von ihm fließen unseren Herzen Mitgefühl und Liebe zu. Jede menschliche Beziehung spiegelt gleichzeitig auch unsere Beziehung zu Allah wider. Die Liebe zu Allah ist unser Glaube und unsere Religion; sie ist der Geist, der in unserem Körper wohnt. Allah hat uns zum Leben erweckt. Seine Liebe lässt alles existieren, und am Ende wird eine Ausdehnung der Liebe Gottes stehen: das Paradies. Alles, was er erschaffen hat, ist abhängig von der Liebe. Er hat seine Beziehung zu den Menschen auf dem Fundament der Liebe errichtet.

Es mag uns gelingen, vor den Gesetzen und Rechtsprechungen dieser Welt zu fliehen. Dem prüfenden Blick Gottes können wir uns jedoch zu keiner Zeit entziehen. Unentbehrlich sind in diesem Zusammenhang vor allem die ethischen Prinzipien der Religion, die uns zu besseren Menschen machen. Die moralischen Richtlinien der Religionen haben Maßstäbe gesetzt, die in der Geschichte von allen Menschen akzeptiert wurden und den Umwälzungen der Zeit getrotzt haben. Inwieweit die Religion Einfluss auch auf unser Denken und Handeln abfärbt, hängt davon ab, wie stark unser Glaube ist und wie tief er in unserer Gesellschaft verankert ist.

Menschen, die nicht die Werte der Gottergebenen teilen und nicht auf die gleichen Quellen vertrauen, werden deren Sorgen und Nöte kaum nachvollziehen können. Wer das diesseitige Leben aus einer rein materialistischen Perspektive betrachtet und lediglich die physischen Aspekte des Lebens hervorhebt, kann nichts anderes, als die flüchtigen und oberflächlichen Freuden des Körpers zu genießen. Dinge, die keinen Bezug zum Materiellen haben, sind dieser Sichtweise entsprechend nicht viel wert. Das Einzige, was diese Menschen interessiert, ist der Lustgewinn. Alles andere ist für sie Zeitverschwendung. Dies unterscheidet sie von Gottergebenen, vom Muslim.

Atheisten und Agnostiker, die die Existenz Allahs mit dem Argument infrage stellen, dass sie ihn nicht mit ihren Sinnesorganen erfassen können, hegen jedoch keinen Zweifel, dass Radiowellen oder magnetische Felder existieren, und würden sich über jemanden lustig machen und ihn als ungebildet zurückweisen, der die Existenz von Radiowellen und Magnetismus bestreitet. Jedoch kann man weder elektromagnetische Wellen noch ein magnetisches Feld sehen oder hören – man erkennt die beiden Phänomene nur an deren Auswirkungen auf bestimmte Elemente, wie z. B. Eisen. Wir nennen es die Beschränktheit der menschlichen Sinne und des menschlichen Verstandes.

„Und wie viele Zeichen sind in den Himmeln und auf Erden, an denen sie vorbeigehen, indem sie sich von ihnen abwenden!“ (12:105)

Der Islam liefert weder irgendwelche ungewöhnlichen moralischen Tugenden durch
einen falschen Sinn für Selbstständigkeit und Neuerung, noch sucht er die Bedeutung der allgemeinen anerkannten Normen der Moral übertriebene Bedeutung beizumessen oder andere grundlos zu vernachlässigen oder herabzusetzen. Vielmehr greift er alle allgemein anerkannten Tugenden auf und weist jedem von ihnen, mit einem Sinn für Ausgewogenheit und Wirklichkeit, den passenden Platz und die für sie zutreffende Funktion im gesamten Lebensplan zu. Er erweitert den geistigen Horizont des individuellen und des gemeinschaftlichen Lebens des Menschen – seine häuslichen Beziehungen, sein Verhalten als Mitglied der Gesellschaft und seine Aktivitäten auf politischem, wirtschaftlichem, juristischem, erzieherischem und sozialem Gebiet. Der Islam gibt dem sittlichen Verhalten die höchste Bedeutung und gewährleistet, dass die Angelegenheiten des täglichen Lebens statt von egoistischen Zielen und untergeordneten Belangen durch Moralgrundsätze reguliert werden.

Der Islam sieht für die Menschen eine Lebensweise vor, die auf dem Guten gründet und von allem Übel frei ist. Er veranlasst die Menschen nicht nur, Tugend zu praktizieren, sondern die Tugend auch durchzusetzen und Untugend abzuwehren. Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verwehren. Nach dem Willen des Islams soll das Urteil des Gewissens die Oberhand gewinnen und die Tugend darf nicht unterdrückt und nach dem Übel die Nebenrolle spielen. Diejenigen, die diesem Ruf folgen, nennt man Gottergebene. Das Ziel eines Gottergebenen ist, sich auf Gottes Wegen anzustrengen, um die Tugend durchzusetzen und das Unheilstiften zu verwehren.

  1. Heiliger Koran, 89:27–28.

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