Scheich Sabahattin Türkyilmaz, Leiter des Islamischen Zentrums Imam Riza in Berlin, erläuterte auf Anfrage von Offenkundiges die islamische Position zur Homosexualität und zur sogenannten Homoehe. In einem Interview mit dem Muslim-Markt im Jahre 2010 findet sich seine Kurzbiografie. Übersetzt aus dem Türkischen von Yakup Kilic.

Scheich Sabahattin Türkyilmaz

Wie beurteilt der Islam praktizierte Homosexualität?

Die islamischen Gesetze und Vorschriften haben die Aufgabe, ein gesundes und friedliches Leben des Menschen zu gewährleisten, sowohl auf privater als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Das Strafrecht und die Strafgesetze kommen erst dann zur Geltung, wenn der öffentliche Frieden gestört und die Sicherheit der Menschen gefährdet wird.

Religiöse Vorschriften und Urteile stehen im Einklang mit der gottgegebenen Natur des Menschen, der Fitra. Kein religiöses Gesetz steht im Widerspruch zu der Natur des Menschen. Daher sind die islamischen Vorschriften universell für alle Menschen gültig und sind allen Menschen eine Rechtleitung. Die Urteile der Religion über die Homosexualität beschränken sich nicht darauf, religiöse Menschen anzuleiten, sondern dienen der gesamten Menschheit.

Homosexualität ist keine Erbkrankheit und auch keine erworbene physische Krankheit. Homosexualität ist dem Islam zufolge eine moralische Perversion, die im Widerspruch zu der Natur des Menschen steht. Homosexualität führt dazu, dass der Mensch die menschlichen Werte verliert, sich von moralischen Werten entfernt und dass ihm die Wege zu den göttlichen Werten verschlossen bleiben. Der Ursprung der Homosexualität liegt aus religiöser Sicht in satanischen Bestrebungen, die Natur des Menschen zu verändern, den reinen Geist des Menschen zu töten und somit zu verhindern, dass der Mensch zum Stellvertreter Gottes, chalifatullah, wird.

Homosexualität und ihre Verbreitung bürdet der Gesellschaft viele Ketten auf:

  1. Sie verhindert, dass Mann und Frau heiraten und in der Ehe die Vollkommenheit erlangen.
  2. Sie behindert als Massenphänomen die gesunde Erhaltung der Menschheit.
  3. Die Familie, die erste Erziehungsstätte aller Kinder und Keimzelle der Gesellschaft, wird zerstört.
  4. Die Ausbreitung dieser Ideologie verhindert insgesamt die gesunde Zukunft der Gesellschaft.

Die religiösen Gebote und irdischen Strafen für Homosexualität sind individueller Natur, nur einzelne Personen werden unter speziellen Umständen bestraft. Die durch die Homosexualität verursachten Schäden dagegen sind gesellschaftlicher, sogar globaler Natur. Der Islam sieht eine individuelle Bestrafung vor, um vor gesellschaftlichem oder globalem Unheil zu schützen.

Wie bei allen anderen Urteilen, gilt auch hier: Wenn die Straftat eindeutig belegt ist und alle zugehörigen islamischen Bedingungen erfüllt sind, dann fällt der zuständige Richter in einem islamischen Staat das Rechtsurteil, die Fatwa. Dieses Urteil kann nur der Richter eines islamischen Staats fällen und nur in diesem Staat kann das Urteil von der Exekutive umgesetzt werden. Niemand anderem obliegt diese Aufgabe! Insbesondere besitzen Einzelpersonen unter keinen Umständen das Recht, ein Urteil zu fällen oder gar umzusetzen.

Wie ist darüber hinaus die gesetzliche Öffnung der Ehe für homosexuelle Verbindungen zu bewerten?

Die Antwort erschließt sich aus der Bedeutung der Ehe und ihrer Notwendigkeit als Institution. Der Mensch ist seinem Wesen nach mit verschiedenen Gefühlen und Trieben ausgestattet. Zu den Gefühlen gehören Liebe, Verbundenheit, Seelenfrieden. Zorn und Lust sind Beispiele für Triebe, die in allen Menschen angelegt sind. Diese Gefühle und Triebe sind natürliche Bedürfnisse des Menschen, die gestillt werden müssen. Wenn sie nicht gestillt werden, kann sich der Mensch als Individuum vor geistig-psychischen Krisen und im gesellschaftlich-sozialen Leben vor Unheil und Katastrophen nicht schützen.

Um diese Bedürfnisse zu stillen, hat der Islam die Ehe vorgesehen. Die Gefühle des Mannes und der Frau gleichen dem positivem und negativem Pol eines Magneten, die sich anziehen. Gleiche Pole ziehen sich niemals an, im Gegenteil stoßen sie sich ab. Die Ehe zwischen Mann und Frau stillt die Lusttriebe des Menschen und sorgt dafür, dass sie kontrolliert ausgelebt werden können. Sie schützt den Menschen vor den Gefahren seiner ungestillten und unkontrollierten Triebe.

Eine andere Weisheit der Ehe ist die Vervollkommnung des Menschen. Der Mann ist ohne eine Partnerin unvollkommen und kann alleine nicht zur Vollkommenheit finden, so wie auch die Frau ohne Partner unvollständig ist und nicht zur Vollkommenheit gelangen kann. Das Mittel zur Vervollkommnung des Mannes liegt in der Frau und jenes zur Vervollkommnung der Frau im Mann. Außerhalb der Ehe ist es unmöglich, das Potenzial dieser Ergänzung auszuschöpfen.

Die wichtigste Weisheit der Ehe ist aber die Erhaltung der Menschheit in gesellschaftlicher Gesundheit. Der Mensch ist als das höchste Wesen erschaffen worden, um Stellvertreter Gottes zu sein. Die Linie der Stellvertreter Gottes muss fortgeführt werden.

Homosexuelle Beziehungen und ihre Legalisierung stehen bereits im Widerspruch zur Natur des Menschen. Aber die Erhebung dieser Beziehungen auf die Stufe der Ehe ist ein Desaster und einer der größten Schläge gegen die Menschheit mit verheerendem Schaden. Die Urheber dieses Gesetzes führen ihre eigene Gesellschaft in eine Katastrophe.

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