Gott, Religion

Gespräch mit einem Atheisten über die Existenz Gottes

Gewidmet dem erwarteten Messias Jesus Christus. Auf dessen Wiedererscheinen hoffen die Gläubigen, da er zusammen mit Imam Mahdi (a.) die Erde von Ungerechtigkeit erlösen wird.

„Aber ein sinnloses Leben der Zerstreuung zu führen ist besser?“, lautete meine Antwort auf einen sarkastischen Kommentar einer meiner Kollegen über Gottes Existenz und den Glauben an ihn. Ich war sichtlich genervt von den ständigen Gottesverleumdungen, welche vermehrt im Alltag zu beobachten sind. Jene Verleumder sind so fanatisch in ihrer Religionskritik, dass sie sogar die Meinung vertreten, den ultimativen Beweis für die Nichtexistenz des Schöpfers gefunden zu haben. Auch sind sie überzeugt, dass jeder ihrer angeblichen Wahrheit Folge zu leisten hat – eine Tatsache, die in ihren täglichen Missionierungsaktionen zu beobachten ist.

Manche Nichtgläubige verleumden die Religiösen für ihre Abhängigkeit von einem scheinbar illusionären Gott, unterwerfen sich aber gleichzeitig ihrer Vielgötterei: Konsumwahn, Kapital, Eigennutz, Begierde sind die meistverbreiteten Alternativ-Götter unserer Zeit, die angebetet und tagtäglich als Lebensziele angestrebt werden. Ein anderer Vorwurf gegen Monotheisten lautet: „Religion ist das Opium des Volkes“ (Karl Marx, 1818–1883 n. Chr.). Die Religiösen konstruieren sich demzufolge einen illusionären Gott und leben im Jenseits, anstatt sich um ihren Alltag zu kümmern. Sie sind damit vom diesseitigen Geschehen abgelenkt und akzeptieren jegliche Art der Unterdrückung, denn Gerechtigkeit gibt es schließlich nur im Jenseits.

Dabei ersucht Gott bei den Gläubigen in allen monotheistischen Weltreligionen genau das Gegenteil zu bewirken! Materialisten dagegen sind süchtig nach der Befriedigung ihrer nimmer zu befriedigenden Triebe und lassen sich versklaven von dem Wahn der Maximierung des Eigennutzes, sodass sie in den meisten Fällen den Unterdrückern ihrer Zeit Hilfe leisten. Offenkundig, denn sonst drohen ihnen schwere materielle Verluste. Beispielhaft dafür auf der politischen Ebene ist die Liste der Länder, die durch sogenannte wirtschaftliche Sanktionen in die Knie gezwungen werden sollen.

Sie sind zu egoistisch, um sich für andere zu opfern, und sind zu betäubt, um gegen Unterdrückung Widerstand zu leisten. Denn das alles riskiert, den Eigenbesitz oder Teile davon zu verlieren. Die rechten Bewegungen in Europa sind nur eine weitere krankhafte Erscheinung dieser tödlichen Epidemie. Selbst die verbliebenen moralischen Menschen, die ihren Glauben an Gott verloren haben, sind hoffnungslos. Von der verdorbenen Politik und den Politikern wenden sie sich immer mehr ab und kehren der Gesellschaft den Rücken. Sie geben auf, schon bevor sie Widerstand leisten, weil sie ihre Unterzahl und Machtlosigkeit als Schwäche erkennen und ihre Wirkung als chancenlos bewerten.

Auf der anderen Seite haben religiöse Menschen keinen Zweifel daran, dass Gottes Gerechtigkeit sich etablieren wird, auch wenn alle Zeichen der Zeit dagegen sprechen. Sie binden sich an das Ewige, fühlen seine Stärke und machen sich selbst frei von rein weltlichem Gedankengut. Sie haben den Auftrag, andere nicht zu unterdrücken und sich nicht unterdrücken zu lassen, koste es, was es wolle. Denn das Diesseits ist nicht das wahre Leben.

Dass in der Vergangenheit die Kirche in Europa und auch andere religiöse Institutionen anderswo dieses Befreiungskonzept deaktiviert haben, um die Religion für die Habgier weniger Prediger instrumentalisieren zu können, sollte uns nicht von der eigentlichen Lehre Jesu ablenken. Denn Fakt ist, dass Jesus, der die Revolution in Person war, sich gegen habgierige Priester eingesetzt hat, sodass er von eben dem Volk, das ihn sehnsüchtig erwartet hatte, verfolgt wurde. Was interessiert mich dann, was später einige verdorbene Priester für ein Unheil im Namen des Christentums stiften, wenn ich so ein strahlendes Licht sehe wie das von Jesus?

(So) unterdrückt nicht und ihr werdet nicht unterdrückt.
(Koran 2:279)

Die Diskussion mit dem Atheisten

Nach meiner obigen Entgegnung „Aber ein sinnloses Leben der Zerstreuung zu führen ist besser?“ starrten die Kollegen mich gespannt an, denn sie ahnten, dass ich mich auf die Herausforderung eingelassen habe und die Diskussion nun beginnen wird.

„Falls du an einem Austausch interessiert bist, so können wir gerne darüber reden, in einer ruhigen und respektvollen Art und Weise. Dann wirst du feststellen, dass die Existenz Gottes keineswegs eine leicht widerlegbare Sache ist! Sarkasmus und Provokation sind keine guten Voraussetzungen für einen fruchtbaren Dialog.“

Der Kollege schaute mich an und seine Mimik verriet mir, dass er wohl interessiert war, aber nicht wirklich wusste, wie er anders das Gespräch hätte eröffnen können. Er schaltete einen Gang runter und erwiderte: „Lieber Kollege, ich habe es nicht böse gemeint, noch wollte ich deine religiösen Gefühle verletzen. Ich verstehe ja, dass du aus einem gewissen Kulturkreis kommst, der dich an den Glauben an Gott bindet. Aber denkst du nicht, dass du dein Erbe kritischer betrachten solltest? Siehst du nicht, wie dieser Glaube schon seit Langem verjährt ist und dass es keine Notwendigkeit mehr für einen Gott gibt in unserem modernen Zeitalter?“

Ich respektiere Menschen, die von ihrer Meinung überzeugt sind, aber ich wundere mich über Leute, die keine andere Meinung zulassen und behaupten, die absolute Wahrheit für sich gefunden zu haben, obwohl sie anderen genau das vorwerfen.

„Wie meinst du das?“, antwortete ich.

„Da kann ich dir gerne helfen. Früher haben die Menschen die Natur nicht so verstanden wie heute. Also brauchten sie Götter, um bestimmte Phänomene zu erklären. So war Zeus der Gott des Blitzes und Sturms und wenn er sauer war, hat es ein schweres Gewitter gegeben. Viele solche Beispiele lassen sich auch in den erhaltenen Schriften der Weltreligionen finden. Gott ist verantwortlich für alles, heißt es, und die Menschen sollen sich vor seiner Wut in Acht nehmen. Deswegen haben sich die Menschen diesem selbsterschaffenen Gott unterworfen. Heute aber besteht die Notwendigkeit für solch einen gefürchteten Gott nicht mehr, weil wir schlicht und einfach natürliche Phänomene dank moderner Wissenschaft nachvollziehen können und sogar zum größten Teil kontrollieren können. Wozu brauchen wir also deinen Gott?“

„Deine Aussage lautet also zusammengefasst: Gott hat man gebraucht, um nicht nachvollziehbare Phänomene zu erklären. Sobald wir in der Lage sind, sie zu verstehen, ist die Existenz Gottes nicht mehr notwendig.“

„Genau.“

„Du irrst dich, in dem du Gott auf seine Schöpfung reduzierst. Nimm als Beispiel die von dir getragene Uhr, die gewiss eine Schöpfung von einem Handwerker ist – oder hat sie sich etwa evolutioniert? Stell dir nun vor, dass du klein genug wärst, in diese Uhr zu passen. Irgendwann wirst du als Uhrbewohner in der Lage sein, alle Funktionen der Uhr zu erklären. Sag mir nun: Ist das denn ausreichend, damit du behaupten kannst, es gäbe keinen Schöpfer dieser Uhr, keinen Uhrmacher? Dieser Aussage ist offenkundig falsch, unabhängig davon, ob der Schöpfer der Uhr sie direkt beeinflusst oder einfach nur die Uhr geschaffen und sie danach ihrem Lauf überlassen hat.“

Das evolutionäre Argument

„Typisch für euch Gläubige, direkt die Evolutionstheorie anzuzweifeln. Denn schließlich widerspricht es der den monotheistischen Religionen gemeinsamen theologischen Sicht, die besagt, dass Gott das Universum in sechs Tagen erschaffen hat.“

„Ich betrachte die Evolutionstheorie nicht als Argument gegen die Existenz Gottes. Gott hat die Welt mit ihren eigenen Naturgesetzen erschaffen. Vielmehr ergibt es Sinn, dass die Evolution zu den göttlichen Naturgesetzen gehört, unabhängig davon, ob die Entstehung des Menschen wirklich so verlaufen ist oder nicht. Diese Theorie liefert immer noch nicht die ursprüngliche Ursache, die das erste Leben und die Naturgesetze selbst veranlasst hat. Gott, wenn es ihn gibt, ist unabhängig von Zeit und Ort. Also wer weiß, was mit den genannten sechs Tagen gemeint ist. Zumal diese Zeitangabe in der heiligen Schrift als eine andere Zeitrechnung als die der Menschen vorgestellt wird:

Er regelt die Angelegenheit vom Himmel bis zur Erde. Hierauf steigt sie zu ihm auf an einem Tag, dessen Maß tausend Jahre nach eurer Berechnung sind.
(Koran 32:5)
Es steigen die Engel und der Geist zu ihm auf an einem Tag, dessen (Aus)maß fünfzigtausend Jahre ist.
(Koran 70:4)

Natürlich respektiert dieses Zeitmodell die Naturgesetze und zeigt, dass selbst die Schöpfung eine gewisse Zeit angedauert hat, auch wenn Gott in der Lage wäre, unabhängig von jeder Dauer den Welten ihre Existenz zu verleihen.“

Ursache und Wirkung

„Verstehe ich das richtig, dass deiner Meinung nach jede Wirkung eine Ursache hat?“, fragte er.

„Aber klar, auch dieses gehört zu den von Gott geschaffenen Gesetzen, die von den Menschen nicht bezweifelt werden. Ursache und Wirkung sind tief in den Menschen und Naturgesetzen verankert. Stell dir eine Katze vor, die im Wohnzimmer verweilt. Was würde sie denken, wenn ein Ball plötzlich aus dem Nichts vor ihren Augen erscheint?“

„Sie würde dabei nichts denken und würde versuchen, den Ball zu schnappen, weil sie kein vernunftbegabtes Wesen ist.“

„Und was würde ein Mensch tun?“ Ich legte eine kurze Pause ein und fuhr fort: „Er würde fragen, woher der Ball kommt, und würde solange suchen, bis er die Antwort findet. Der Grund für ein zerbrochenes Fenster kann Zufall sein, aber keiner wird uns glauben, dass das Fenster zufällig oder von alleine repariert wurde. Denn das erfordert systematische und intelligente Prozesse, welche extrem unwahrscheinlich zufällig stattfinden können, wie z. B. das alte Fenster auszubauen und das neue Fenster einzusetzen.“

„Einverstanden, also für jede Wirkung gibt es eine Ursache. Erklär mir bitte die Ursache Gottes! Warum gilt diese Regel ausgerechnet für Gott nicht?“

„Alles hat seine Ursache bis auf den, der die Ursache von allem ist. Gott ist derjenige, der überhaupt dieses Gesetz zur Geltung gebracht hat. Wenn es für ihn auch gelten würde, so wäre er beschränkt. Wäre er beschränkt, so könnte man ihn abzählen, könnten wir ihn abzählen, dann wäre er bedürftig und könnte kein Gott sein.“

„Mit solchen Ideen gibst du dich zufrieden und meinst du also Gottes Existenz beweisen zu können? Die Wissenschaftler und Philosophen wissen schon längst, dass dies unmöglich ist.“

„Ich hatte nicht vor, dir einen Beweis zu liefern. Alles, was ich zeigen wollte, ist, dass die Argumente, mit denen einige sich zufriedengeben für die Leugnung Gottes, aus meiner Sicht nicht ausreichend sind für so eine wichtige Entscheidung. Ich vertrete sogar die Meinung, dass sobald wir in der Lage sind, Gottes Existenz formal zu beweisen, es keinen Sinn mehr ergeben wird, unser Leben zu führen. Denn der freie Wille, der uns von Gott geschenkt wurde, setzt voraus, dass man wenigstens an Gott zweifeln kann und zu ihm finden kann. Dennoch sprechen viele Argumente dafür, dass Gott existiert.“

Das Moralische Argument

Nach einer kurzen Pause ergriff ich wieder das Wort, um eine Gegenfrage zu stellen: „Du hast deine Fragen gestellt, so lass mich dich bitte nun fragen. Wenn du Gottes Existenz verleugnest, was motiviert dich eigentlich, moralisch zu bleiben?“

„Man kann objektive moralische Werte und Verpflichtungen mithilfe der Naturwissenschaften definieren, ohne sich auf Gott stützen zu müssen. Das kann man, in dem man erforscht, welche Handlungen zu welchen Konsequenzen führen. Man soll dann derart moralisch handeln, dass das größte Glück für die größte Anzahl von Menschen erreicht werden kann.“

„Die Naturwissenschaft liefert uns Antworten auf Fragen wie beispielsweise: Werden Glückshormone ausgeschüttet, wenn wir Banane essen, oder nicht? Aber wir können damit die Frage nicht beantworten, warum es gut ist, die Banane zu essen oder jemandem eine Banane zu geben. Also hilft uns die Naturwissenschaft nicht weiter bei der Frage, warum ich etwas zu tun oder zu lassen habe. Auf die Frage, warum ich bestrebt sein sollte, die Mehrheit der Menschen glücklich zu machen, gibt die Wissenschaft also keine Antwort.“

„Doch durchaus. Wenn man das größte Glück für die größte Anzahl von Menschen anstrebt, dann bekommt man die Anerkennung der Gesellschaft und dann ist man wiederum glücklich. Und anders als Glaube kann man Glück mithilfe der Neurologie messen.“

„Du behauptest also, dass man Gutes tut, damit man ein besseres soziales Ansehen erreichen kann, woraus derjenige Glück schöpfen kann. Wenn es aber um Ansehen geht, so kann man dieses auch erreichen, in dem man anderen Menschen Schaden zufügt. Historisch haben wir da eine Fülle von Beispielen. Wo ist beim Thema Holocaust das Gute geblieben in Deutschland? Ansehen und Glück hatten die damalige Bevölkerung angetrieben, Unschuldige zu vertreiben und zu massakrieren. Nimm bitte als weiteres überspitztes Beispiel einen brutalen Vergewaltiger. Wissenschaftler werden dir gewiss Nachweise liefern, dass auch er Glückshormone erlebt, wenn er seine abscheuliche Tat begeht. Sollten wir also, wenn die Mehrheit unserer Gesellschaft aus Vergewaltigern besteht, Vergewaltigung legalisieren?“

„Nicht nur Anerkennung. Jeder weiß, dass Moral eine evolutionäre Eigenschaft für unsere Selbsterhaltung im Alter und für das Überleben in Gruppen ist. Selbst bei Affen wurde diese Eigenschaft beobachtet. Beispielsweise ärgert sich ein Affe, wenn ein anderer bevorzugt wird. Stärkere Gruppenführer entwickeln solche moralische Normen und Regeln, um sich selbst im Alter vor den jüngeren, stärkeren Kontrahenten zu schützen.“

„So gesehen solltest du schleunigst ein AfD-Wähler werden!“

Sichtlich genervt erwiderte mein Kollege, der als Erzfeind der AfD bekannt ist: „Was soll nun diese Aussage?“

„Na, weil die AfD genau dein Verständnis von Moral und deren Entstehung vertritt. Ihre Einstellung ist sogar evolutionär begründet: Solange Moral den Eigennutz maximiert, dann her damit. Führt es zu meinem Nachteil, dann ist es kein Thema mehr und ich lasse dann Flüchtlinge an den Grenzen erschießen! Was ist mit dieser Einstellung verkehrt?“

„Zugegeben ist diese Einstellung höchst problematisch. Aber ich würde nicht sagen, dass es keine Moral gibt. Man sieht, wie viele Menschen sich um die Armen in Afrika oder in Krisengebieten kümmern, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. In Deutschland hat man ein sehr schönes Beispiel gesehen, als die deutsche Bevölkerung sich um die Flüchtlinge gekümmert hat. Auch gibt es viele Friedensaktivisten, die ihre Freizeit damit verbringen, sich gegen Krieg und Waffenlieferung sowie -herstellung einzusetzen.“

„Natürlich gibt es moralische Werte und Moralisten. Ich wollte nur betonen, dass ohne Gott keine eindeutige Definition von gut und schlecht möglich ist. Ohne ihn würde Chaos ausbrechen. Die moralischen Werte werden nämlich dann von den Stärkeren und Mächtigeren oder halt von der Mehrheit definiert. Denk bitte nochmal an den Holocaust als Beispiel dafür. Gott ist der einzige, der eine vernünftige Trennung zwischen dem Guten und dem Schlechten darstellen kann, unabhängig von dem ständigen Launen unterworfenen Urteil der Menschen. Übrigens: Die moralischen Definitionen, die wir heute haben, verdanken wir hauptsächlich den monotheistischen Religionen.“

Das Finetuning-Argument

„Soll das wirklich dein Beweis für Gottes Existenz sein?“

„Kein Beweis, wie gesagt, sondern ein Argument dafür und davon gibt es viele weitere. Es ist auf jeden Fall zu beobachten, dass eine bestimmte Ordnung in dieser Welt herrscht. Wenn die Gravitationskonstante nur um einen Bruchteil von 1:1060 abweichen würde, würde niemand von uns existieren. Das gilt auch für viele andere Faktoren im Universum, wie die Ausdehnungsgeschwindigkeit des Universums oder Masse und Energie des jungen Universums.[1] Wohin die Physiker blicken, scheinen die Werte dieser Zahlen in hohem Maße feinabgestimmt (finetuned) zu sein, um die Entwicklung von Leben zu ermöglichen. Es ist also naheliegender, dass da ein sehr intelligenter Designer dahinter steckt, als zu denken, dass es bloß ein Werk des Zufalls ist.“

„Wie gesagt: Gott war Erklärung für alles, was man nicht wusste. Heute ist die Wissenschaft fähig, alles zu erklären. Ich glaube, wir drehen uns im Kreis.“

Der Sinn der Schöpfung

Er fragte weiter: „Aber selbst, wenn ich akzeptiere, dass es einen Gott gibt, wozu hat Gott uns denn erschaffen? Wollte er uns bei einem Fußballspiel zuschauen? Wollte er uns zugucken, wie wir leiden, hungern und wie wir einander bekriegen und Blut vergießen? Warum quält er uns in diesem Leben?“

„Erhabener ist er, als dass er uns bräuchte. Und vollkommener ist er, als dass er ein Spiel zur Belustigung bräuchte. Sag mir bitte: Was ist mit der Freude, die du spürst, wenn du jemanden liebst oder wenn du jemandem hilfst. In Wahrheit haben wir alle Himmel und Hölle auf Erden und die freie Wahl, in dem einen oder anderen Ort zu verweilen.“

„Aber warum hatte er uns erschaffen?“

„Weil die vollkommene unendliche Liebe überfließt, und er hat uns aus Barmherzigkeit erschaffen, damit wir aus seiner Fülle Liebe schöpfen können. Denn Existenz ist besser als Nichtsein.“

„Das ist mir zu philosophisch. Wie meinst du das?“

„Lass es mich dir mit einem Beispiel erklären. Keiner käme auf die Idee zu behaupten, dass die Eltern ihre Kinder zu Welt bringen würden, weil sie ihnen unbedingt die Qual des Lebens auferlegen wollen, oder? Wenn die Kinder in die Irre gehen, anderen Menschen Qualen zufügen oder ein sinnloses Leben führen, ist das nicht allein die Schuld der Eltern. Man könnte einwenden, dass die Eltern keine Ahnung haben, was auf sie zukommt. Die Mutter weiß vor dem ersten Kind noch nicht, welch qualvolle Erfahrung es ist, ein Kind zu gebären. Aber spätestens beim zweiten Kind sollten sie schon die Lektion gelernt haben. Warum entscheiden sich dennoch viele Paare dafür, weitere Kinder zu bekommen?

Eine Erklärung wäre, dass sie diese Liebe spüren wollen. Diese selbstlose Liebe, welche darin besteht, zu geben ohne Erwartungen, ja sogar zu geben trotz der Qual der Wehen bei der Mutter, der schlaflosen Nächte beider Eltern, der anstrengenden Fahrten und des Mangels an Freizeit und ruhiger Momente für das Elternpaar. Diese reine Liebe, welche ohne Erwartung und voller Opfer bei den Eltern überfließt, haben wir von unserem Schöpfer. Er hat uns aus Liebe erschaffen, schenkte uns unsere Existenz, als wir nichts waren, um seine selbstlose Liebe ohne Erwartungen zu empfangen. Auch zeigte er uns den geraden Weg zu ihm durch die vielen Vorbilder der Schöpfung und die heiligen Schriften, die er herabgesandt hat.“

„Aber wenn er so vollkommen ist und weiß, dass einige von uns sündigen werden, sodass sie das Höllenfeuer verdienen, warum lässt er uns trotzdem sein? Ist das nicht gemein? Warum kann er keine Welt erschaffen, in der alle am Ende in sein Himmelreich gelangen können?“

„Diese harmonische Welt hat Gott schon erschaffen, das ist nämlich die Welt der Engel. Dort gibt es kein Leid, denn alle sind der Vollkommenheit verbunden und tun nichts Unvollkommenes. Wir aber haben uns auf die Prüfung Gottes eingelassen und deswegen sind wir die Krönung der Schöpfung, die den freien Willen besitzt. Dass wir Fehler begehen, ist unsere Entscheidung und hat mit Gott nichts zu tun. Nur mit dem freien Willen gelangt man zu den höchsten Stufen der Vollkommenheit. Schließlich ist es nicht fair, ein willenlos gehorchendes Geschöpf (Engel) zu belohnen oder zu bestrafen, denn es ist ja schon vorprogrammiert.“

„Also ich erinnere mich nicht daran, dass ich je zugesagt hätte!“

„Wenn du dich erinnern würdest, dann wäre es keine Prüfung.“

Der Kollege schien mir darüber nachzudenken, wenn er auch nicht ganz überzeugt war. Es ist auch gewiss keine leichte Sache. Ohne die Überzeugung zu haben, dass die heilige Schrift das Wort Gottes ist, ist es schwierig zu glauben, dass jeder Mensch die Prüfung freiwillig angenommen hat.

Und als dein Herr aus den Kindern Adams, aus ihren Rücken, ihre Nachkommenschaft nahm und sie gegen sich selbst zeugen ließ: „Bin ich nicht euer Herr?“ Sie sagten: „Doch, wir bezeugen (es)!“ (Dies,) damit ihr nicht am Tag der Auferstehung sagt: „Wir waren dessen unachtsam.“
(Koran 7:172)

Die Pascalsche Wette

Ich nutzte die Pause, um eine Gegenfrage zu stellen, welche ich in mir habe, wann immer ich einen vollkommen überzeugten Atheist treffe. „Aber erlaube mir bitte, eine Frage zu stellen. Was ich nie verstehen werde: Wie kann man so leichtsinnig die Existenz Gottes verleugnen, wenn die besten Wissenschaftler und die berühmtesten Philosophen dir bestätigen, dass es nicht möglich ist, mit unserer Vernunft zu beweisen, dass Gott nicht existiert?“

„Philosophen und Wissenschaftler haben aber bisher auch nicht beweisen können, dass Gott existiert.“

„Das ist richtig, aber das ist doch kein Grund, Gott zu verleugnen. Die menschliche Vernunft empfiehlt, solange es keine Gewissheit gibt, um bestimmte Hypothesen zu verleugnen, dass es besser ist, sie in Erwägung zu ziehen.“

„Genau, nur weil ich nicht beweisen kann, dass ein Einhorn nicht existiert, bedeutet das, dass es tatsächlich existiert!“, sagte er mit sarkastischer Freude.

„Ich bitte dich … nach all den Gedanken, die wir gerade eben ausgetauscht haben, denke ich, dass es dir kein Geheimnis mehr ist, dass viele Argumente für die Existenz Gottes sprechen. Diese Argumente zusammen mit der Tatsache, dass viele berühmte Persönlichkeiten, Philosophen und Wissenschaftler von Gottes Existenz überzeugt waren oder sind, sollte einen wenigstens dazu animieren, sich mit Gott zu beschäftigen und seine Existenz als Möglichkeit ernst zu nehmen.“

„Genau, dann sage mir bitte, an welchen Gott der zigtausend angebeteten Götter soll ich glauben? Woran soll ich denn glauben, damit ich gerettet werde nach dem Tod? Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus, Hinduismus? Und innerhalb dieser Religionen gibt es bekanntlich viele widersprüchliche Richtungen. Meine Lebenszeit würde ich damit vergeuden, allein die Werke verschieden Religionen zu vergleichen! Und dann sollte ich mein Leben auch noch mit irgendwelchen Riten einschränken, deren Sinn ich nicht verstehe, für irgendeinen Gott, von dem ich keine Gewissheit habe, ob er existiert oder nicht? Nein, danke!“

„Es reicht erstmal, an das Gute in sich selbst zu glauben. Die Schnittmenge der moralischen Attribute Gottes zwischen den drei monotheistischen Religionen sollte bekannt sein. Du solltest erstmal an das Gute glauben und dich daran orientieren: nicht töten, nicht stehlen, nicht Frauen anderer begehren, anderen helfen (Bedürftigen, Waisenkindern, Behinderten), nicht unterdrücken und Widerstand gegen Unterdrückung leisten, auch wenn es ungemütlich wird, nicht bestechlich sein und wegen des Geldes deine Würde verkaufen usw. Das ist doch mal ein Anfang. Wenn es wirklich einen Gott gibt, wird er dich dann auf dieser Basis zu ihm finden lassen und zu seinem besten Weg leiten. Denn eins ist klar: Alle monotheistischen Religionen kommen von der gleichen Quelle und die Verfälschungen sind Menschenwerk. Ein Gott, der vollkommen ist, wird dafür sorgen, dass seine vollkommene Botschaft erhalten bleibt!“

„Und das alleine, ohne die Religion, wird mich retten? Wie kommt es dann, dass die Christen sagen, nur die Christen kämen in den Himmel Gottes, die Muslime sagen, nur die Muslime kämen dahin, und dergleichen wird auch von Juden gehört. Jede Religionsgruppe denkt von sich, auserwählt und bevorzugt zu sein, und jede Religionsgruppe ist mit dem, was sie hat, zufrieden.“

„Wer hat Ihnen denn die Schlüssel der Himmel Gottes anvertraut? Und seit wann übernehmen Menschen die Rolle Gottes, über die Schöpfung zu richten? Sind alle so vollkommen, gerecht und überblickend, dass sie solch eine Aufgabe übernehmen könnten? Die verschiedenen Religionen sind Wegweisungen zur Erreichung der höchsten Moral. Es ist nicht gesagt, dass du nicht moralisch sein kannst, wenn du keiner von ihnen folgst.“

Und sie sagen: „Niemand wird in den (Paradies-)Garten eingehen außer, wer Jude oder Christ ist.“ Das sind ihre Wünsche. Sprich: „Bringt euren Beweis vor, wenn ihr wahrhaftig seid!“ Aber nein! Wer sich Allah völlig hingibt und dabei Gutes tut, dessen Lohn steht für ihn bei seinem Herrn. Und sie soll keine Furcht überkommen, noch sollen sie traurig sein.
(Koran 2:111–112)

„Aber ich brauche keinen Gott, um moralisch zu sein. Warum soll ich denn an Gott glauben, wo ich doch ohne Gottesglauben glücklich bin?“


„Also ich bin auch in dieser Welt glücklich, aber ich möchte es in der nächsten Welt ebenso sein. Sterben werden wir alle. Zumindest ist es noch nicht dokumentiert, dass irgendjemand den Tod überlebt hat. Sollte es einen Gott geben, so habe ich mich im Leben bemüht, seinen Empfehlungen zu folgen und so erlange ich die Freude im Leben und die Belohnung nach dem Tod. Sollte es keinen Gott geben, so ist es für mich kein Verlust, dass ich mich an die moralischen Werte Gottes gerichtet habe, welche heute von allen Menschen, selbst von Atheisten, Anerkennung genießen. Du hast also nichts zu verlieren. Wenn du an Gott und das Jenseits glaubst, kannst du nur gewinnen! Denn wenn ich mich als Gläubiger irre, geschieht nichts. Wenn man sich aber als Atheist irrt, dann hat man womöglich viel verloren oder wenigstens viel Potenzial im Leben liegen lassen.“


  1. http://de.reasonablefaith.org/schriften/popularwissenschaftliche-schriften/wie-sieht-die-beziehung-zwischen-wissenschaft-und-religion-aus ↩︎


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Maher Fakih

Informatiker