Zionismus, Medien

Eskaliert Israel? Der palästinensische Widerstand zupft am Spinnennetz

Es gibt ein altes antisemitisches Klischee, das am meisten den Zionisten genützt hat: „Die Juden kontrollieren alles, die ganze Weltpolitik tanzt nach ihrer Pfeife!“ Diese Behauptung findet sich leider bis heute in arabischen Kreisen. Israel hat gleich mehrfach von dieser Mär profitiert. Zum einen, weil die Verfechter dieser Verschwörungstheorie nicht zwischen Juden und Zionisten differenzieren. Damit machen sie sich das Weltbild der Zionisten zu eigen und nehmen alle Juden der Welt in Sippenhaft für das Apartheidregime Israel. Gerade unter Arabern habe ich persönlich viele Verfechter dieser Allmachtstheorie getroffen, die mit Juden eigentlich Zionisten meinten. Der zweite Punkt, der dem zionistischen Regime nützt, ist, dass er es in den Augen seiner Gegner weitaus stärker macht, als es ist. Dabei offenbart sich in diesen Tagen wieder einmal, dass es schwächer ist als ein Spinnennetz.[1]

In Palästina ist nach Lesart der deutschen Massenmedien wieder einmal „die Lage eskaliert“. Was ist geschehen? Ein israelisches Spezialkommando war tief in den Gaza-Streifen eingedrungen, um Mitglieder des palästinensischen Widerstands zu töten. Zwar erlangten mehrere Palästinenser das Martyrium, jedoch scheiterten die Auftragsmörder. Über Twitter erfuhr ich, dass der Widerstand noch schnell genug reagieren konnte, um trotz Deckungsfeuer durch israelische Kampfjets einen angreifenden zionistischen Offizier auszuschalten. Als weitere Antwort schossen die Palästinenser bis Montagnachmittag rund einhundert Raketen in Richtung besetztes Palästina, von denen das Abwehrsystem Iron Dome laut zionistischen Angaben ganze drei abgefangen hat. Zwischenzeitlich ist die Zahl auf ungewöhnlich hohe vierhundert Raketen angewachsen. Was dabei besonders überrascht: Deutsche Medien berichten kaum oder nur zögerlich von den Ereignissen.

Diesmal erfuhr ich nicht direkt über die Titelblätter und Startseiten der einschlägigen deutschen (Online-)Zeitungen von den Ereignissen, sondern zuerst über Twitter. Erst mit reichlich Verspätung meldete sich z. B. unsere gebührenfinanzierte Tagesschau und rückte dabei nur mit der halben Wahrheit heraus, indem sie einen eindrucksvollen palästinensischen Verteidigungsangriff auf einen mit Besatzungssoldaten geladenen israelischen Militärbus verkürzt als „Schüsse auf Bus“ verkaufte. Dieses von der zionistischen Armee übernommene Narrativ zeichnet so nicht nur ein schlechteres Bild von den Palästinensern, es kaschiert auch die Schwäche der Zionisten, die mit einem Schlag eine ganze Mannschaft an Besatzungssoldaten durch Tod oder Verletzung verloren haben.

Es ist in Deutschland und vielleicht im ganzen Westen noch nicht angekommen, aber Israel steht aktuell unter Schock. Die Tzahal-Armee wollte den Feinden und den eigenen Leuten imponieren und mit einem Sonderkommando tief im Gazastreifen palästinensische Führungspersönlichkeiten töten. Sie wollte zeigen, dass sie den Gaza-Streifen durch die Belagerung nicht nur aushungern und ausbluten lassen kann, sondern auch die alleinige Herrschaft über das von zwei Millionen Palästinensern bewohnten Stück Land an der Mittelmeerküste hat. Keine 24 Stunden später steht das Apartheidregime überfordert da, beklagt eigene Opfer und weiß auf den überraschend starken Widerstand, der nun selbst die Initiative ergriffen hat, keine anderen Antworten als Luftangriffe auf zivile palästinensische Ziele, z. B. auf die Zentrale des palästinensischen Fernsehsenders Al Aqsa TV.

Ja, auch Palästinenser haben Tote zu beklagen, aber sie wissen, im Gegensatz zu den bis auf die Zähne bewaffneten und gepanzerten israelischen Besatzungssoldaten, dass sie einen Freiheitskampf führen und dass diese Freiheit ihnen Opfer abverlangt. Während ein Märtyrer auf Seiten der Palästinenser den Widerstand anderer Freiheitskämpfer beflügelt, betrachten die Israelis ihre getöteten Soldaten als entmutigendes PR-Problem und versuchen sie ihrer Bevölkerung mitunter als Zivilisten zu verkaufen.

Sie stecken dementsprechend in einem Dilemma: Entweder die Lage weiter eskalieren lassen und noch mehr eigene Schwächen und Stärken des Gegners offenbaren oder Deeskalieren und als Schwächling dastehen. Israel kann dieses Spiel nicht gewinnen und dieses Dilemma verstärkt sich mit jeder Eskalation, die es anzettelt. Das Spezialkommando, mit dem es in den Gazastreifen eingedrungen war, sollte eben dieses Dilemma umgehen, um am Ende eine heldenhafte und siegreiche Aktion der zionistischen Armee zu präsentieren. Das Projekt ist dank des palästinensischen Widerstands, der offenbar gut vorbereitet war, gescheitert.

Jahrzehntelang, ja eineinhalb Jahrhunderte lang bemühen sich Zionisten weltweit nun die Aliya zu fördern, also die Auswanderung von Juden aus ihren Heimatländern nach „Eretz Israel“. Offenkundiges beschrieb bereits, dass dieses Projekt bald Geschichte sein wird. Diese Abwerbung von Menschen, von der das zionistische Regime stark abhängig ist, dürfte weltweit noch nie so unattraktiv gewirkt haben, wie in den heutigen Tagen. Gerechtigkeitsbewusste Juden begeistern sich grundsätzlich schon nicht für ein Apartheidregime, nun hat Israel aber selbst zionistisch ideologisierten Juden weltweit eindrucksvoll gezeigt, dass es nicht einmal in der Lage ist, für seine Kolonialisten eine sichere Besatzung gegen die schlecht bewaffnete und eingepferchte Bevölkerung Palästinas durchzusetzen.

Und so erklärt sich auch die zögerliche Berichterstattung der israel-freundlichen westlichen Presse. Von dieser abermaligen Niederlage sollen auch möglichst wenige Deutsche erfahren. Immer mehr Deutsche würden sich schließlich fragen, warum sie weiterhin ein gescheitertes koloniales Apartheidregime im Orient über vom Steuerzahler subventionierte U-Boote für Israel mitfinanzieren sollen, zumal Juden viel friedlicher in Deutschland leben können. Aber auch in der westlichen Presse sind Zionisten nicht allmächtig. Trotz intensiver Hasbara-Bemühungen verliert die pro-zionistische Berichterstattung durch freie Blogs und wegen einer steigenden Zahl an aufgeklärten Bürgern, die in den Kommentarbereichen der Online-Medien und über Leserbriefe auch die großen Medien beeinflussen, immer mehr an Einfluss. Die Schwäche der Zionisten offenbart auch hier: Israel ist schwächer als ein Spinnennetz.


  1. „Mit denen, die sich anstelle Gottes Schutzherren nehmen, ist es wie mit der Spinne, die sich ein Haus genommen hat. Das schwächste Haus ist ja das Haus der Spinne, wenn sie es doch wüssten!“ (Heiligen Koran, 29:41). ↩︎


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Mahmoud Ayad

Marktforscher / E-Mail: mahmoud.ayad@offenkundiges.de