Liebe Bild,
lieber Autor des Artikels „Knallhart-Mullah bei Gabriels Friedenskonferenz“,
liebe Freunde der Springer-Presse,

vielen Dank! Verstehen Sie mich nicht falsch, ich danke Ihnen nicht für diesen grauenhaften Artikel, den Sie über die ehrenwerte Person Scheich Dr. Torabis geschrieben haben. Es ist immer wieder eine Freude, die unter Denkmalschutz stehende Moschee in Hamburg zu besuchen und seine friedvollen Worte zu vernehmen. Der Artikel ist ein zionistisches Armutszeugnis. Besonders wegen der falsch dargestellten Umstände rund um den Qudstag, die offensichtlich sind.

Mein Dank gilt der Reaktion, die Sie mit Ihrem Artikel in Gang gesetzt haben, dem Sieb, das Sie in Bewegung versetzten, ohne es zu wollen. Und völlig konträr zu dem von Ihnen verfolgten Ziel. Zunächst sollten wir festhalten, dass Ihrem Artikel nicht viele Medien gefolgt sind. Die namhaften deutschen Nachrichten sind nicht auf Ihren Verleumdungszug aufgesprungen. Bis auf zwei, drei weitere springer-nahe Blätter sind Sie mit Ihrem „Affront“ alleine geblieben. Das sagt viel über diesen vermeintlichen Skandal aus. Wie es scheint, lässt sich der Zionismus heute nicht mehr so leicht vermarkten. Israel hat den Bogen überspannt. Die Menschen dulden diese menschenverachtenden Besatzer nicht länger. Wer täglich Kinder auf offener Straße beschießt, verbluten lässt und dabei beschimpft, verliert zwangsläufig den Rückhalt der Menschen.[1] Zumal das Internet dies in die ganze Welt trägt, während Sie und Ihresgleichen schweigen. Diesen Umstand erkennt man auch an anderen Stellen. So haben sich die Sender Arte und WDR geweigert, eine Dokumentation über Antisemitismus auszustrahlen. Die Begründung: einseitige Betrachtung.[2] Der neue Blockbuster aus Hollywood, Wonder Woman, wird in der Hauptrolle von der zionistischen Gal Gadot gespielt. In den sozialen Netzwerken wird dies aufs Schärfste kritisiert. Viele rufen zum Boykott des Films auf. Im Libanon wird der Film aufgrund Gadots Unterstützung für den Zionismus und ihres Dienstes in seiner Armee nicht ausgestrahlt werden.[3] Marek Lieberberg, ein bekennender Freund Israels,[4] stellt die Muslime unter Generalverdacht und erntet dafür harsche Kritik. Die Distanz zum Zionismus, der sich immer mehr Menschen anschließen, bringt uns immer näher Richtung Gerechtigkeit.

Wozu also dieser Brief? Wie bereits erwähnt, haben Sie etwas in Bewegung gesetzt, was Sie so sicher nicht beabsichtigt hatten. Zunächst einmal wurde, um das Antlitz des ehrenwerten Dr. Torabi vor Ihren Diffamierungen in Schutz zu nehmen, eine Hashtag-Aktion gestartet, an der sich viele Menschen aus Deutschland und der Schweiz angeschlossen haben. Unter den Hashtags #qudstag2017 und #izh_moschee_des_dialogs haben deutschsprachige Muslime ihre Sympathien mit Dr. Torabi geäußert. Darüber hinaus wurde durch den Verein Islamischer Weg e. V. eine Solidaritätsbekundung geschrieben, der sich bisher 26 Vereine angeschlossen haben. Viele Moscheen und Gemeinden unterschiedlicher Sprachen und dominierenden Nationalitäten, deutsch, libanesisch, irakisch, iranisch, türkisch und weiteren sehen sich an der Seite Dr. Torabis und dem Qudstag. Damit nicht genug; durch den Artikel haben viele Muslime erkannt, dass sie im Falle einer Verleumdungskampagne durch die Medien oder der Springer-Presse einen Rückhalt in den islamischen Gemeinden finden werden. Das wird viele zu mehr Aktivität im Kampf gegen die israelische Apartheid motivieren. Danke dafür!

Doch der mit Abstand beste Effekt Ihres Artikels ist ein anderer, der sicherlich Ihr Missfallen erregen wird: Sie haben enorm für den Qudstag 2017 in Berlin geworben. Im heiligen Quran heißt es: „Sie schmiedeten Ränke und Gott schmiedete Ränke. Gott ist der beste derer, die Ränke schmieden.“ (3:54). Der Qudstag steht sinnbildlich für jeden unterdrückten Menschen auf dieser Erde. Wer gegen Terror ist, geht auf diese Demonstration. Jedes Jahr organisiert eine Privatperson in unserer Stadt eine Busfahrt zur Qudsdemonstration nach Berlin. Der Bus ist jedes Jahr voll. Doch in diesem Jahr gab es dank Ihres Artikels, der zum einen Dr. Torabi und zum anderen die Qudsdemonstration im Visier hatte, so viele Anmeldungen, dass ein zweiter Bus organisiert werden musste. Das gilt sicherlich auch für andere Städte. Menschen, die in der Vergangenheit kein besonderes Interesse an dieser Demo zeigten, haben die Wirkung dieses Befreiungsmarsches erkannt. Das ist viel wert. Danke dafür!

Für die Zukunft sollte Ihnen klar sein: Die Muslime solidarisieren sich in großer Anzahl mit ihren Führungspersönlichkeiten. Je heftiger Sie eine große Persönlichkeit diffamieren, eine heilige Sache wie den Qudstag oder andere wichtige Ereignisse der islamischen Befreiungstheologie angreifen, umso stärker wird die Gegenkampagne der Muslime im deutschsprachigen Raum ausfallen. Und darüber hinaus wird immer der gegenteilige Effekt dessen erzielt, was Sie beabsichtigten. Denn das ist ein göttliches Gesetz.


  1. https://deutsch.rt.com/der-nahe-osten/51689-israel-armee-erschiesst-15-jahriges-maedchen/ ↩︎

  2. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/arte-und-wdr-zeigen-eine-dokumentation-ueber-antisemitismus-nicht-15044790.html ↩︎

  3. http://www.vanityfair.com/hollywood/2017/05/wonder-woman-ban-lebanon-controversy-gal-gadot-israeli-army ↩︎

  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Marek_Lieberberg ↩︎

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