Als ich vor sechszehn Jahren nach Deutschland kam, waren meine Befürchtungen groß. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie einige meiner Verwandten versucht haben, mich davon abzuhalten.

„Bist du sicher, dass du in Deutschland studieren möchtest?! Ausgerechnet dort, wo die Nazis leben?“

Damals versuchte ich meine Ängste zu verstecken und entgegnete nachsichtig, dass das deutsche Volk eines mit reichhaltiger Kultur sei, das nicht auf die NS-Zeit reduziert werden darf. Die Deutschen haben schon lange das rassistische Gedankengut der Nazis überwunden und eine moderne Zivilisation der Toleranz erbaut, meinte ich damals mit Überzeugung.

Es war einige Monate nach dem 11. September, als ich am Stuttgarter Flughafen landete. Die Stimmung war aufgeheizt, aber auf den Straßen war noch kein großes Echo in Form von Islamhass oder ähnlichem zu hören. Die damaligen Fernsehsendungen wetteiferten zwar um islamkritische Sendungen, aber es waren auch andere politische und wirtschaftliche Themen an der Tagesordnung. Damals fühlte ich mich bestätigt mit meiner Analyse, und bis auf vereinzelte unwichtige Diskriminierungsfälle, die ich erlebt hatte, waren meine Erfahrungen in Deutschland insgesamt positiv.

Die Entwicklungen schlugen aber einen anderen Weg ein, beginnend mit dem syrischen Konflikt im Jahre 2011. Der Fremdkörper ISIS wurde in die islamischen Welt gepflanzt und dessen kriminellen Mitglieder beschmutzten das weiße Gewand des Islams mit ihren dunklen Seelen. Die anschließende Flüchtlingsbewegung vieler Muslime nach Deutschland hatte eine verheerende Wirkung auf die tolerante deutsche Gesellschaft.

Europa schlägt seitdem in wahnsinniger Geschwindigkeit Richtung rechts um und überall gewinnt der nationalistisch geprägte Flügel an Zuwachs. Auch in Deutschland hat der Einzug der islamfeindlichen AFD-Partei in den Deutschen Bundestag für die Verblüffung vieler Bürger gesorgt. Die Kräfte, die für die Entstehung der Flüchtlingsbewegung verantwortlich waren, haben für die Wahl der rechtsradikalen Parteien in Europa auch bestens gesorgt.

Inzwischen tue ich mir schwer damit zu glauben, es geschehe alles zufällig: Die mediale Ablenkung von echten Problemen der Gesellschaft und die Anti-Islam-Propaganda auf der einen Seite, die Aufnahme von über 900.000 Flüchtlingen auf der anderen. Und dann wurden auch noch die Terrorgruppen, die ja die Fluchtursache sind, mit Geld und Waffen beliefert. Stelle eine Bühne der Ablenkung, heißt es in der Grundlehre der Politik, dann kann das Publikum darauf starren, und keiner von ihnen merkt, was hinter der Bühne abläuft. Aktuell verfolgt die Mehrheit in Deutschland / Europa das Anti-Islam-Theaterstück und vergisst die aktuellen Probleme des Landes.

In dem sehr gelungenen Artikel „Immer laut ‚Islam!‘ rufen: Damit niemand merkt, was sonst passiert“ analysiert die Autorin die organisierten Anti-Islam-Kampagnen in Österreich. Diese Analyse lässt sich auch auf Deutschland übertragen.

Die Intensität des Islamhasses, die enthemmte Diskriminierung der Muslime und die Anti-Islam-Propaganda, die wir heute erleben, übersteigt bei Weitem meine Vorstellungen vor meiner Einreise nach Deutschland.

Muslime als Bürger zweiter Klasse: Belege und Indizien

Bei meiner Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten Mekka und Medina in Saudi-Arabien habe ich hautnah erleben können, wie moderne Sklaverei betrieben wird. Dort werden Menschen aus ärmeren Ländern (Pakistan, Jemen, Bangladesch) als Billigarbeiter importiert und neben den niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen werden ihnen auch Tribute für ihren Aufenthalt auferlegt, die saudische Privatvollstrecker von ihnen abkassieren. Auch erleben diese Menschen verschiedene Arten der Demütigung und Diskriminierung im Alltag. Damals habe ich mir nicht vorstellen können, dass Derartiges auch in Deutschland möglich ist. Inzwischen ist für mich alles vorstellbar. Hier müssen Muslime zwar noch keine Tribute zahlen, aber die Stimmung kippt in eine ähnliche Richtung.

Deutsche Muslime, die hier geboren sind, werden immer noch, auch die dritte Generation, als Gastarbeiter betrachtet und somit säuberlich abgegrenzt von „Biodeutschen“. Sich selbst eine Meinung zu bilden oder gar die eigene Religion öffentlich zu praktizieren, ist ein No-Go für Gastarbeiter, die sich an die „Leitkultur“ der Deutschen zu richten haben. Man kann schon nach meinem Verständnis sagen, dass deutsche Muslime hierzulande Bürger zweiter Klasse sind.

Die folgende Tabelle unterstützt meine These. Sie zeigt die letzten Entwicklungen in Deutschland auf. Die jeweiligen Zitate sind mit Quellen versehen.

Thema Kategorie Quellen Zitat / Kommentar

P1
Islam gehört nicht zu Deutschland

Politische Hetze [1]
[2]
„Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Mit diesem Satz befeuerte Horst Seehofer vor wenigen Wochen die Debatte um die Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland. Der frisch ins Amt gewählte Innen- und Heimatminister gab damit die Stoßrichtung seiner künftigen Politik vor.“
P2
Deutsche Leitkultur
Politische Hetze [3] [...] Thomas de Maizière: „Wir sind nicht Burka“: Innenminister will deutsche Leitkultur [...]

P3
AFD: Anti-Islam- Parteiprogramm

Politische Hetze

[4]
[28]
[31]
[32]

 „ [...] Wie im Bund stellt sich die AfD auch in Bayern klar gegen den Islam: «In der Ausbreitung des Islams in Deutschland sieht die AfD eine Gefährdung des inneren Friedens, unserer Rechts- und Werteordnung sowie unserer kulturellen Identität, die auch Bayern vor eine große Herausforderung stellt.» Zugleich lehnt sie Verschärfungen im Waffenrecht ab, wegen der sich drastisch verschlechternden inneren Sicherheit müsse den «ordentlichen Bürgern dieses Landes» vielmehr der Zugang zu Waffen auch zur Selbstverteidigung erleichtert werden. [...]“

„[...] Das bewies Alice Weidel, Vorsitzende der AfD-Fraktion, bei ihrer Bundestags-Rede am Mittwoch erneut. Darin bezeichnete sie unter anderem ‚Kopftuchmädchen‘ als ‚Taugenichtse‘. [...]“

Allein 2017 sind 76 anti-islamische Demonstrationen registriert worden:

„[...] Darüber hinaus sind der Bundesregierung die nachfolgenden Kundgebungen gegen eine vermeintliche ‚Islamisierung Deutschlands‘ [...] bekannt geworden“

M1
Anzahl der Muslime

Mediale Hetze

[5]
[6]

 „[...] Wie viele Muslime leben in Deutschland? 20 Millionen, so schätzt es der Durchschnittsdeutsche. 4,4 bis 4,7 Millionen, sagt dagegen eine neue Studie. Atheisten wollen die ‚Kulturmuslime‘ nicht mitzählen und kommen auf noch kleinere Werte. In einer teilweise postfaktischen Debatte wird mit Zahlen so auch Politik gemacht [...].“

M2
Muslimische Namen

Mediale Hetze [7]  „[...] Eine Statistik aus Österreich hat die Diskussion über den Namen Mohamed auch in Deutschland befeuert. Der Name wird vermutlich bald auch bei uns zu den beliebtesten gehören. [...]“
M3

Islamfeindliche Sendungen

Mediale Hetze

[8]
[9]

„[...] Das ARD-Magazin ‚Monitor‘ hat alle 141 Sendungen im ersten und zweiten Programm des vergangenen Jahres ausgewertet – von ‚Anne Will‘ bis ‚Maybrit Illner‘.
Das erstaunliche Ergebnis: 40-mal ging es um Flüchtlinge und Flüchtlingspolitik, 15-mal um den Islam, Gewalt und Terrorismus, 21-mal um Populismus, vor allem von rechts. ‚Andere Themen hatten keine Chance‘, bilanzierten die PolitjournalistInnen in der Sendung vom 19. Januar 2017. So waren die Zukunft der Kohle oder der Atomausstieg ein Jahr lang kein Thema, noch nicht mal der ‚viel diskutierte‘ Abgasskandal, staunte ‚Monitor‘ [...]“

S1
Benachteiligung bei der Wohnungssuche

Soziale Islamophobie / Diskriminierung / Feindbild Muslime

[10] Selbst beim Finden einer Wohnung sollen Menschen mit ausländischen Namen (mehrheitlich Muslime) es schwer haben.

S2
Job-Benachteiligung

Soziale Islamophobie / Diskriminierung / Feindbild Muslime

[11]
[12]
[13]
[14]
[15]
[16]

Eine kopftuchtragende deutsche Muslima muss laut einer aktuellen Studie 7,6-mal mehr Bewerbungen verschicken als eine gleichqualifizierte Nichtmuslima ohne Kopftuch.

Nur aufgrund des Nachnamens werden Muslime bei der Bewerbung für Ausbildungsplätze und andere berufliche Felder diskriminiert.

Muslimische Männer, die Frauen anders begrüßen als mit Handschlag, werden von Lehrerinnen beleidigt, von Ärztinnen aus Arztpraxen verwiesen und aus Beamtenberufen suspendiert oder schon bei Bewerbungsgesprächen deswegen aus dem Rennen genommen.

S3
Islamophobische Stimmung

Soziale Islamophobie / Diskriminierung / Feindbild Muslime

[17]
[18]

Laut einer Umfrage von 2017 sind Extremismus – gemeint ist mit großer Wahrscheinlichkeit der islamische – und der Zuzug von Ausländern in den Top-Drei der Ängste der deutschen Bevölkerung. Vor dem Hintergrund dessen, dass die Zahl der Todesopfer von Terror in Deutschland nicht zu vergleichen ist mit der Anzahl der Menschen, die durch Alkohol, Suizid, häusliche Gewalt, Abgase oder resistente Keime jährlich sterben, ist das besonders interessant.

„[...] Mit dem Islam verbinden viele Jugendliche Unterdrückung, radikalen Islamismus und Parallelgesellschaften. Das hat eine Studie der Universität Duisburg-Essen herausgefunden. [...]“

G1
Kopftuchverbot

Anti-islamisches Gesetz (Entwurf)

[19]
[27]

Viele Parteien unterstützen das von der FDP vorgeschlagene Kopftuchverbot für muslimische Mädchen. Die Parteien rücken damit weiter nach rechts, um mehr Wählerstimmen in der wachsenden rechten Szene im Land zu ergattern.

„[...] Statt Antidiskriminierungsgesetze zu entwerfen, um kopftuchtragende Frauen in Schutz zu nehmen, sehen Lindner und Co. im Kopftuch eine Provokation für die einfühlsamen rechtsgestimmten Bürger und in dessen Abschaffung die Lösung aller Probleme in Deutschland. Statt an der Seite der Opfer zu stehen, schließen sich die Politiker den Unterdrückern an. [...]“

G2
Moscheeschließungen in Österreich

Anti-islamisches Gesetz (Entwurf)

[20]

Auch wenn das bisher nur Österreich der Fall ist, so streben einige Parteien an, hierzulande das Gleiche zu erreichen:

„[...] Die Regierung will sieben Moscheen in Österreich schließen, vier in Wien, zwei in Oberösterreich, eine in Kärnten. Zudem soll geprüft werden, ob 40 Geistliche ausgewiesen werden, weil der Verdacht im Raum steht, dass sie über den Verein Atib von der türkischen Regierung finanziert wurden - das wäre ein Verstoß gegen österreichisches Recht. Betroffen wären einschließlich der Angehörigen bis zu 150 Menschen.[...]“

T1
Angriffe gegen Moscheen

Terrorismus gegen Muslime

[21]
[22]

„[...] 2017 gab es mindestens 950 Angriffe auf Muslime und Moscheen. 33 Menschen wurden bei den Angriffen verletzt. In fast allen Fällen waren die Täter Rechtsextreme [...]“

T2
Angriffe gegen Muslime

Terrorismus gegen Muslime

[23]
[24]
[25]
[26]
[28]
[29]
[30]

Es häufen sich Berichte über Frauen, die wegen ihres Kopftuches in der Öffentlichkeit körperlich sowie verbal angegriffen oder bedroht werden.

„[...] Ein 38-Jähriger ist in der Münchner U-Bahn auf eine Mutter und ihre Tochter losgegangen. Er beleidigte und schlug sie, weil sie Kopftücher trugen.[...]“

„[...] Sie hatte erst ein Jahr lang in Dresden gelebt, als ein Rassist sie im Landgericht Dresden ermordete. Zum neunten Mal haben heute Dresdner der Mutter Marwa El-Sherbini gedacht.[...]“

„[...] In der Nacht zum 15. April war die 22-jährige Shaden Mohamed Al-Goharivor der Cottbuser Stadthalle in der Innenstadt auf eine Straße getreten, wo ein Auto entlang fuhr. Der 20 Jahre alte Fahrer aus Sachsen erfasste die junge Frau mit seinem Wagen. Sie kam schwer verletzt ins Krankenhaus und starb dort später [...] ‚Verpisst euch doch einfach wieder in euer Land, dann werdet ihr nicht angefahren – scheiß Asylanten‘ soll einer der Insassen gerufen haben. [...]“

„[...] Im Jahr 2017 hat es in Deutschland 2219 Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte gegeben [...] 2016 seien noch rund 3500 Angriffe erfasst worden. Zu den Delikten zählten gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung, Volksverhetzung, Hausfriedensbruch, schwere Brandstiftung und Sprengstoffexplosionen. [...]“

Tabelle 1: Indizien dafür, dass deutsche Muslime hierzulande Bürger zweite Klasse sind

Obige Tabelle 1 zeigt, dass es klare Indizien für die steigende Diskriminierung der Muslime als Bürger zweiter Klasse in Europa und speziell in Deutschland gibt. Die Gesetze hier im Lande wollen noch die Würde der Menschen unantastbar halten. Praktisch ist es aber leider so, dass die Würde der Muslime tagtäglich mit Füßen getreten wird. Sei es durch Alltagsdiskriminierung (S1–3 in Tabelle 1), durch Medienhetze (M1–3 in Tabelle 1), durch politische Hetze (P1–3 in Tabelle 1), ja sogar durch zunehmende Gewalttaten und die Terrorisierung der Muslime (T1–2 in Tabelle 1).

Inzwischen gibt es auch erste Versuche, die geltenden Gesetze in Richtung Anti-Islam-Kurs zu drehen (siehe G1–2 in Tabelle 1).

Vergleich der aktuellen Eskalationsstufen gegen Muslime mit denen der Nazis gegen die Juden

Ich bin wirklich kein Fan von Nazivergleichen und bin dagegen, die Gräueltaten der Vorfahren der heutigen Generation aufzuerlegen. Der Anlass dafür, dass ich mich mit den Nazi-Gräueltaten beschäftigt habe, war ein Bekannter aus England, der mir berichtet hat, dass er einen Artikel gelesen hat, in dem festgestellt wurde, dass die Entwicklungen in Europa vor dem 2. Weltkrieg den heutigen Entwicklungen ziemlich ähneln. Wir alle wissen, dass die Nazi-Deutschen die Juden als Sündenbock für jedes Versagen in der Gesellschaft herangezogen. Für das wirtschaftliche, politische und soziale Versagen wurden sie verantwortlich gemacht.

Erschrocken von meinen zusammengestellten Ergebnissen über die Diskriminierung der Muslime (Tabelle 1) fiel mir die Aussage meines Bekannten wieder ein. Ich recherchierte anschließend nach den geschichtlichen Ereignissen, um besser einschätzen zu können, ob die heutigen deutschen Muslime die neuen Sündenböcke in Deutschland vor dem drohenden 3. Weltkrieg sind. Ich informierte mich über die Eskalationsstufen der Nazis, die sie schrittweise bei ihren Verbrechen gegen die Juden anwendeten.

Ich war verblüfft, wie sehr die heutige Situation der Muslime jener der damaligen Juden wenige Jahre vor der Machtergreifung der Nazis ähnelt. Ich entschied mich dafür, das Ergebnis zu veröffentlichen, nicht mit der Absicht, die damaligen Verbrechen zu relativieren oder Schuldgefühle beim Leser hervorrufen, sondern als Weckruf an die vielen Vernünftigen, damit so ein grausames Verbrechen nicht wiederholt wird.

In der Literatur werden die Eskalationsstufen in vier Phasen, wie in Abbildung 1 dargestellt, eingeteilt. Abbildung 2 zeigt den Vergleich mit einer ähnlichen Vorgehensweise gegen die Muslime. Die Vorgehensweisen werden im Folgenden gegenübergestellt.

  1. Die arische Rasse sollte herrschen damals – Die deutsche Identität soll bewahrt werden heute: Zur NS-Zeit wurde die Rassentheorie Tag und Nacht gepredigt. Deutsche mit arischen Wurzeln galten als die Größten, Besten und Vollkommensten. Um die Qualität der arischen Rasse zu bewahren, musste jegliche Vermischung mit anderen Rassen unterlassen werden.
    Das damalige Rassenkonzept ist heute durch die Kultur ersetzt. Heute versuchen einige Deutsche die Leitkultur rein zu halten. Abgrenzungsrufe wie „der Islam gehört nicht zu Deutschland“, die von niemand geringerem als dem deutschen Innenminister ausgesprochen werden, sind lauter geworden. Auch besorgte Bürger äußern zurzeit ihre Ängste vor der Islamisierung Deutschlands auf täglicher Basis (siehe P1, P2, P3, M1, M2 in Tabelle 1).

  2. Die Juden sind das größte Feindbild der Nazis damals – Islam als das größte Feindbild heute: Zur NS-Zeit sahen die Nazis im Juden die Hauptbedrohung der arischen Rasse und für die Gesellschaft. Deswegen haben die Nazis alles versucht, um die Bevölkerung davon zu überzeugen: medizinische Studien, Juden als wirtschaftliche Sündenböcke, religiöse Identität etc. Einer der Slogans der Nazis lautete: „Halte das deutsche Blut rein!“
    Heute hören wir ähnliche Rufe: „Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes“, „Islam gehört nicht zu Deutschland“. Islamfeindliche Sendungen und zunehmende Versuche, Islam, Muslime und Terror als eine Einheit darzustellen, prägen bereits heute die Medien, obwohl die Muslime selbst die größten Opfer des Terrors sind. Diskriminierung der Muslime bei der Arbeit, in der Schule und bei der Wohnungssuche gehört heute zur Normalität. Die Deutschen haben Angst vor dem Islam und den Muslim und betrachten sie als Hauptfeindbild (siehe P3, M1, M2, M3, S1, S2, S3, Tabelle 1).

  3. Antisemitismus war gesetzlich vorgeschrieben damals – Pläne von Anti-Islam-Gesetzen: Zur NS-Zeit wurden mindestens 2000 antijüdische Gesetze verordnet, die es beispielsweise Menschen mit „arischen“ Wurzeln verboten, sich mit Juden zu vermählen. Abschiebungsgesetze und Enteignungsgesetze traten damals in Kraft. Heute sind Gott sei Dank noch kein derartigen anti-muslimische Gesetze verabschiedet worden, auch wenn es entsprechende Bestrebungen von einigen Bundestagsparteien in diese Richtung gibt (AFD: Waffengesetz, FDP/CDU: Kopftuchverbot, siehe G1, G2, Tabelle 1). Was die Zukunft bringt, ist ungewiss.

  4. Juden sollten vernichtet werden damals – Muslime sollten vernichtet werden?: Ich denke, an dieser Stelle brauche ich nicht viel vom Holocaust und der Verfolgung und Vernichtung der Juden zu erzählen, da jeder Deutsche das Thema ausführlich in seinem Geschichtsunterricht behandelt hat. Heute ist diese Stufe der Verfolgung und Vernichtung der Muslime in Deutschland kollektiv selbstverständlich noch nicht eingetreten, Gott sei Dank. Allerdings sind die ersten Warnstufen erreicht, da vermehrt Muslime und Moscheen angegriffen werden (siehe T1, T2 in Tabelle 1).

Bild1

Abbildung 1: Eskalationsstufen der Verfolgung der Juden zur NS-Zeit.

Bild2--2-

Abbildung 2: Angelehnt an die Eskalationsstufen der Nazis bei der Verfolgung der Juden; mögliche Eskalationsstufen gegen deutsche Muslime heute. Zwei Eskalationsstufen sind bereits erreicht.

Schlusswort

Seit dem 2. Weltkrieg wurde keine andere ethnische oder religiöse Gruppe in Deutschland dermaßen diskriminiert wie aktuell die deutschen (und nicht-deutschen) Muslime.

Wir erleben eine neuartige Diskriminierung der Muslime mit steigender Tendenz. Die oben aufgelisteten Tatsachen lassen daran keinen Zweifel. Jeder, der es relativiert, ist ein Mitläufer, egal ob er dies beabsichtigt oder nicht. Das Gefährliche daran ist, dass diese Diskriminierung von der großen Mehrheit der Gesellschaft gerechtfertigt oder toleriert wird. Noch gefährlicher ist, dass einige politische Kräfte dieses Landes den Muslimen das Spielen einer Opferrolle vorwerfen und den Muslimen ihre Rechte absprechen. Mit anderen Worten: Muslime dürfen unterdrückt werden und haben kein Recht, ihren Opferstatus anzuprangern.

Dass aktuell eine teuflische Ich-bin-besser-Mentalität Verbreitung findet, geht auch darauf zurück, dass immer mehr Menschen Abstand nehmen von den Lehren Jesu (Friede sei mit ihm). Jesus hat sich nie überheblich gefühlt, sondern sich als Diener seines Volkes betrachtet, auch als Diener der Andersgläubigen. Jesus warnte uns vor der Selbstgefälligkeit und Arroganz als Ursprung allen Übels, als Ursache gesellschaftlicher Krankheiten wie Nationalismus u. ä. Der Urheber solcher versklavenden Eigenschaften ist, aus religiöser Sicht, der Satan, der als Erfinder des Rassismus im Heiligen Koran beschrieben wird:

„Er sagte: ‚O Iblis, was hat dich davon abgehalten, dich vor dem niederzuwerfen, den ich mit meinen Händen erschaffen habe? Verhältst du dich hochmütig oder gehörst du etwa zu den Ranghohen?‘ Er sagte: ‚Ich bin besser als er. Mich hast du aus Feuer erschaffen, wohingegen du ihn aus Lehm erschaffen hast.‘“ (Heiliger Koran, 38:75–76)

Als ich nach Deutschland kam, waren meine Befürchtungen groß. Trotzdem dachte ich, dass dieses große Volk mit seiner reichhaltigen Kultur den Rassismus schon lange überwunden hätte und die gleichen Fehler nicht wiederholen würde. Heute sind meine Hoffnungen getrübt, insofern sich meine Befürchtungen bewahrheiten. Ich muss mit ansehen, wie die Muslime tagtäglich als Sündenböcke herhalten müssen.

Aber auch wenn er noch nicht so stark wie der Sturm des Islamhasses wirbelt, so weht doch ein Gegenwind der Liebe, der durch verschiedenen kreative Aktionen auf sich aufmerksam macht (Hashtags: #Kopftuchmädchen, #Keinplatzfürhass, #Meinmoscheereport. Aktionen: Der Tag gegen antimuslimischen Rassismus, Eine Frau wie du.), und das gibt mir Hoffnung.

Hoffnung, dass die letzten beiden Stufen meiner angeführten Analogie keinen Weg in die Realität finden werden. Hoffnung, dass viele vernünftige Mitbürger sich inspirieren lassen zu handeln, bevor es zu spät wird und Deutschland wieder auf der Seite der Unterdrücker steht. Hoffnung, dass irgendwann die Menschen einander als Menschen behandeln unabhängig von religiösen, nationalen, rassistischen Labels und miteinander in einer Welt voll Frieden und der Gerechtigkeit leben.

Zum Newsletter anmelden und über neue Artikel informiert werden.