Ich sehe mich in der Wüste stehen,
die Winde wehen.
Eine Stimme spricht:
„Schreib ein Gedicht!
Der Name jeder Frau vergeht,
nur ein Name nicht.
Der Sand in der Wüste singt ihren Namen ewiglich.
Hörst du nicht?“

Ich sehe mich stehen in einer Menschenmenge,
unangenehm ist mir diese Enge.
Sie singen fremde Lieder,
sie weinen und klagen immer wieder.
Die Stimme spricht: „Verstehst du nicht?“

Dann sehe ich mich abermals in der Wüste stehen,
von diesem Hügel aus kann ich alles sehen.
Ich sehe, wie man sie umschließt,
ohne Erbarmen hunderte von Pfeilen auf die Wehrlosen schießt.
Ich sehe sie sterben,
wie so viele auf Erden.
Die Stimme spricht: „Fühlst du nicht?“

Entsetzt falle ich nieder,
und finde mich in der Menschenmenge wieder.
Ich höre ihre fremden Lieder,
immer wieder.
Doch jetzt verstehe ich ihre Worte und Reimen,
ihren Schmerz, ihre Tränen und ihr Sehnen.
Ich fange an zu weinen,
der Schmerz beginnt mich zu tragen,
laut wird mein Klagen.
Die Trauer ist geweckt,
ich lege einen Schleier über mich, der mich bedeckt;
mein Gesicht vom Schmerz verzerrt,
eine Seele, die sich nicht mehr wehrt.
Ich lasse los,
sie liegt wund und bloß,
zutiefst verletzt,
als hätte sie all den Schmerz der Welt aufgesogen,
gebe mich hin diesen bleischweren Wogen.

Niemand soll diesen Schmerz sehen,
der zu meinem geworden.
Schmerz um all die Menschen,
die niemals würden den Treueeid leisten,
jenen, die sich zu unrechtmäßigen Herrschern erdreisten,
die Mörder, Heuchler und Lügner sind zu allen Zeiten,
das Schlechte gebieten und das Gute zerreißen,
und sich mit Prunk und Macht umgeben,
mit dem, was sie dem einfachen Volke stehlen.
Schmerz um die, die friedfertig für Gerechtigkeit geworben,
mit Feigheit und Verrat auf ihrem Weg, wie mit Dreck beworfen,
und schließlich durch die Hände von Tyrannen gestorben.
Märtyrer, die von Gott zu Heiligen erkoren.

Hoffnungen gingen mit ihnen verloren,
neue Hoffnungen wurden durch sie geboren.

Kein Flehen und Weinen
bringt zurück diese Reinen.
Wussten sie etwa nicht, was sie taten,
als sie haben den Statthalter Gottes auf Erden verraten?
Ich erstarre vor Schmerz, der mein Herz erdrückt,
bleischwer erstickt, bis es zerbricht.

Unsere Tränen nützen nicht,
so scheint es.
Nur flüchtig laufen sie über dein Gesicht,
sie haben so wenig Gewicht,
nicht mehr als ein Sandkorn im Sturm einer Wüstennacht
angesichts des Opfers, welches von diesen Märtyrern erbracht.

Doch sie haben ihre eigene innere Kraft.
Sie erhalten über Jahrhunderte,
Jahr für Jahr, für immer wahr,
durch im Herzen Verwundete,
die Erinnerung vom Höchsten wach,
was Heilige bereit sind,
aus Liebe zu Gott und der Wahrheit zu geben,
nämlich ihr Leben!

In Demut erkenne ich ihre Schönheit
durch Liebe und Treue zu Gott,
ihren Mut, ihre Wahrheit und Kraft,
die in ihnen ruhende Macht
der wahren Gottesdienerschaft,
durch die sie bei IHM zu Unsterblichen erwacht.

Erschöpft öffne ich meine Augen,
was ich erlebt, ich kann es kaum glauben.
Die letzten Tränen wische ich vom Gesicht.
Dies ist nur ein Gedicht,
von einem Traum,
der nicht war wie Schaum,
sondern von einer Wahrheit, die bleibt,
jenseits von Raum und Zeit;

Ich höre, verstehe und fühle jetzt.

Die Wunden in meinem Herzen heilen,
dafür müssen, so Gott will, nur ein paar Tage verweilen.
Doch in mein Herz ist jetzt die Ewigkeit des Liedes
von Zaynab hinein geschmiedet,
das nie vergeht,
so lange der Wind in der Wüste weht.