Religion, Gesellschaft

Winterfest und Winterbeleuchtung: Atheismus als deutsche Staatsreligion

Seit einigen Jahren wird pünktlich zur Winterzeit in Deutschland darüber diskutiert, ob man die Beleuchtung in den Innenstädten Weihnachts- oder Winterbeleuchtung nennen soll oder ob man statt Weihnachtsfest Winterfest sagen soll. Für einige ist diese Diskussion banal. Aber banal ist sie nicht. Es geht um die Neustrukturierung der Staatsreligion in Deutschland.

In immer mehr Städten wird auf christliche Symbole bei der Weihnachtsbeleuchtung verzichtet. Auch der Name soll so neutral wie möglich gewählt werden: Winterbeleuchtung. Der Grund: Weihnachtsbeleuchtung ist zu christlich und nicht mehr neutral. Christliche Symbole in der Öffentlichkeit könnten Andersgläubige stören. Eine Winterbeleuchtung ohne christliche Symbole sei neutral und für alle Bürger gleich attraktiv.

In Städten, in denen ein hoher Anteil von Muslimen heimisch ist, argumentieren lokale Entscheider aus Politik und Verwaltung, dass sich Muslime von christlichen Symbolen gestört fühlen könnten, und versuchen deswegen alles, was von der öffentlichen Hand gefördert wird, zu neutralisieren. Auch Weihnachtsmärkte werden immer öfter entchristlicht und zu Wintermärkten umbenannt. Dass bei so einer Argumentation Christen und Muslime gegeneinander ausgespielt werden, stört nicht, solange die Öffentlichkeit neutralisiert wird.

Der Staat ist dem Neutralitätsgebot verpflichtet. Im Artikel 137 (1) des Grundgesetzes heißt es: „Es besteht keine Staatskirche.“ Die Öffentlichkeit soll demnach neutral sein und der Staat darf sich nicht mit einer religiösen Weltanschauung identifizieren. Der Staat muss sich als Heimstätte aller Bürger verstehen, unabhängig von ihrem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis. Der Staat darf sich nicht mit einem bestimmten religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis identifizieren, sondern muss allen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften neutral und tolerant gegenüberstehen.

Neutralität wird aber nicht hergestellt, indem alles Religiöse aus der Öffentlichkeit verbannt wird, sondern indem alles religiöse gleichermaßen in der Öffentlichkeit sichtbar ist. Wenn alles Religiöse aus der Öffentlichkeit verbannt wird, ist das nicht neutral, sondern atheistisch. Viele glauben, dass eine Gesellschaft nur neutral sein kann, wenn religiöse Symbole aus der Öffentlichkeit verschwinden. Religiöse Christen und Muslime aber meinen, dass man alle religiösen Symbole in der Öffentlichkeit erlauben sollte. Denn sobald ein Staat oder eine Stadt alles Religiöse aus der Öffentlichkeit verbannt, ist sie nicht mehr neutral, sondern einseitig atheistisch.

Zwar herrscht in Deutschland der Grundsatz religiöser Neutralität des Staates. Er ist aber nicht mit einem strikten Laizismus zu verwechseln, wie er etwa in Frankreich herrscht. Vielmehr ist neben der Glaubensfreiheit des Einzelnen (Artikel 4 Grundgesetz) auch die Kooperation mit Religionsgemeinschaften und in Grenzen auch deren Förderung verfassungsrechtlich verankert. Der Staat hat für die Förderung des religiösen Lebens günstige Bedingungen zu schaffen, damit die Bürger auch wirklich in der Lage sind, ihre religiösen Rechte auszuüben und die religiösen Pflichten zu erfüllen. Falls eine Ausgrenzung des Religiösen aus dem öffentlichen Raum von Staats wegen vorangetrieben wird, verstößt dies zugleich gegen die Religionsfreiheit des Grundgesetzes, denn die Religionsfreiheit umfasst immer auch das öffentliche Bekenntnis und das öffentliche Wirken der Religionsgemeinschaften.

Und genau hier liegt das Problem: Atheismus wird heute als neutral angesehen und alles, was nicht atheistisch genug ist, wird als Vergehen gegen das Neutralitätsgebot des Staates dargestellt. Atheismus ist die Staatsreligion Deutschlands geworden. Dieser religionsfeindliche Atheismus ist das neue „neutral“ und alle anderen haben sich ihm zu beugen.

Wenn gläubige Christen sich dagegen wehren, dass man ihre religiösen Symbole aus der Öffentlichkeit verbannt, argumentieren die atheistischen Oberhäupter mit der Gleichbehandlung und geben sich als Beschützer der Muslime aus. Fordern Muslime ihre religiösen Symbole sichtbar nach außen zu tragen, kommen die atheistischen Oberhäupter mit dem christlichen Erbe Deutschlands und spielen Christen aus, um gegen Muslime vorzugehen. Dabei kämpfen nicht die Anhänger verschiedener Religionen gegeneinander. Es sind vielmehr die Anhänger des religionsfeindlichen Atheismus, die die Religiösen bekämpfen. Religionsfeindlichkeit ist aber nicht neutral.

Es stimmt nicht, dass in Deutschland keine Staatskirche besteht. Der religionsfeindliche Atheismus ist die dominierende Staatsreligion in Deutschland. Und der Staat zwingt allen seinen Bürgern diese Staatsreligion auf und bekämpft alles, was einen religiösen Hauch hat, alles mit dem Neutralitätsargument. Religiöse müssen sich vereinen und gemeinsam dafür kämpfen, dass die Ansichten der Feinde Gottes nicht weiter zur Staatsreligion in Deutschland werden.


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Hassan Mohsen

Gerontologe & Essayist / E-Mail: hassan.mohsen@offenkundiges.de